Missbrauchsstudie Katholische Kirche

Kirchenrechtler sollen Missbrauchsfälle beurteilen

Bischof Felix Gmür regt an, ein nationales kirchliches Strafgericht zu schaffen. Damit will er Kritik aus Luzern entgegenwirken.

Bischof Felix Gmür hat angekündigt, dass nächstes Jahr ein bistumsübergreifendes kirchliches Strafgericht für Missbrauchsfälle errichtet wird. Das ist eine Reaktion auf einen Beschluss der katholischen Luzerner Synode, die Beiträge ans Bistum zu blockieren.

Grössere Fachkompetenz

Wenn es bei Missbrauchsfällen bei einem staatlichen Gericht zu einem Urteil kommt, soll das kirchliche Gericht übernehmen, um zum Beispiel über einen Ausschluss aus einem Orden zu entscheiden. Dieses Gericht soll aus Fachleuten bestehen, die sich mit Kirchenrecht auskennen, die aber nicht zwingend der römisch-katholischen Kirche angehören müssen, wie der Bischof des Bistums Basel erklärte.

Bis jetzt kümmerte sich jeweils ein Gericht des eigenen oder eines anderen Bistums darum. Mit einem Gericht, das alle Bistümer der Schweiz umfasst, sei der Pool an Fachleuten wie Richterinnen und Richter grösser, welche diese Aufgabe übernehmen können. 

Ebenfalls im kommenden Jahr werde das Bistum Basel eine Ombudsstelle für Anliegen jeglicher Art einrichten. Dort sollen nicht nur Missbrauchsfälle, sondern auch andere Unstimmigkeiten gemeldet werden können.

Sparen unumgänglich

Gmür sagte, er respektiere den Entscheid der Luzerner Synodalen und verstehe die Sorgen dort. «Es wäre aber besser und wünschenswert gewesen, zuerst miteinander zu reden», sagte der Bischof. Er sei bereit für Gespräche mit einer von der Synode bestimmten Sonderkommission. Diese beschloss Anfang November, die Hälfte des Beitrags nicht ans Bistum zu überweisen - über die zweite Tranche wird im Herbst 2024 entschieden. Sollten die Luzerner bei ihrem Entscheid bleiben, würde fast ein Fünftel, und damit ein wesentlicher Teil des Gesamtbudgets des Bistums Basel, fehlen. Das würde zu Sparmassnahmen führen.

Die Vorstudie zu sexuellen Missbräuchen innerhalb der römisch-katholischen Kirche wurde im September veröffentlicht. Historikerinnen und Historiker der Universität Zürich zeigten in einer Analyse von bisher nicht zugänglichen Archiven auf, dass Kleriker und Ordensangehörige in den vergangenen 70 Jahren mindestens 1002 Fälle von sexuellem Missbrauch begangen haben. Auftraggeber der Studie war unter anderem die Schweizer Bischofskonferenz, die von Felix Gmür präsidiert wird. (sda/ jow)