Kirchen rechnen wegen Corona mit Einbussen

Aufgrund der Corona-Pandemie rechnen die Kantone mit einem Rückgang der Steuererträge. Das trifft auch die Kirchen. Allerdings haben sich viele von ihnen schon vorher mit sinkenden Einnahmen auseinandergesetzt – das zahlt sich nun aus.

Die Berner Kirche rechnet mit 10% weniger Einnahmen wegen der Corona-Pandemie. Doch der Finanzverantwortliche Roland Stach ist zuversichtlich, diesen Ausfall verschmerzen zu können. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Noch ist das Jahr 2020 nicht zu Ende und es gibt keine gesicherten Informationen darüber, wie stark die Steuereinnahmen wegen der Corona-Pandemie zurückgehen werden. Dennoch rechnen die Finanzverantwortlichen von Kantonen und Gemeinden mit erheblichen Einbussen. Der Kanton Bern beispielsweise geht von gut 25% weniger Steuereinnahmen von Unternehmen und gut 3% weniger von natürlichen Personen aus.

An diesen Zahlen orientierten sich auch die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, sagt Synodalrat Roland Stach. Allerdings fielen die Einnahmen von Unternehmen in Bern weniger ins Gewicht als in einem stark industrialisierten Kanton, da Bern in dieser Hinsicht eher strukturschwach sei. Dennoch rechnet Stach für 2021 mit etwa 2,4 Millionen Franken weniger. Das entspricht fast 10% der Einnahmen.

Einbussen und Mehrausgaben

In der kleineren Landeskirche des Kantons Schaffhausen geht man von einem Einnahmerückgang von etwa 3-4% aus. Das wären etwa 200’000 bis 300’000 Franken weniger, so Finanzreferent Richard Rickli. Auch hier verlässt man sich auf die Berechnungen des Kantons. Die Kirche in Schaffhausen nimmt jedoch nur Steuern von natürlichen Personen ein. Der Rückgang der Unternehmenssteuern fällt also nicht ins Gewicht.

Während des Lockdowns waren in Schaffhausen wie in Bern einige Mehrausgaben nötig. Man stellte Radio- und TV-Gottesdienste auf die Beine und es brauchte neue Programme für die elektronische Kommunikation. Zwar fielen auch einige Ausgaben weg, doch «sparen konnten wir nicht», meint Richard Rickli.

Gelassen in die Zukunft blicken

Die gute Nachricht ist: Beide Landeskirchen haben derzeit noch ein gewisses finanzielles Polster. Weil sie schon länger mit weniger Einnahmen aufgrund des Mitgliederschwunds rechnete, führte die Schaffhauser Kirche 2015 eine Strukturreform durch und traf entsprechende Sparmassnahmen. Tatsächlich jedoch sind die Einnahmen weniger gesunken als berechnet, da das Einkommen der verbleibenden Mitglieder durchschnittlich gestiegen ist. So konnte die Schaffhauser Kirche in den vergangenen Jahren immer einen Überschuss in der Rechnung verbuchen.

«Diese Überschüsse haben wir nicht leichtsinnig ausgegeben. Das zahlt sich jetzt aus», sagt Richard Rickli. Er ist deshalb zuversichtlich, dass man in Schaffhausen auch mit Corona-Einbussen in den nächsten zwei bis drei Jahren keine roten Zahlen schreibt. Langfristig allerdings müsse man wohl vermehrt sparen, denn der Mitgliederschwund halte an.

Sparprogramm nötig

Auch in Bern gibt ein Bilanzüberschuss etwas Spielraum. Auf diesen dürfe man sich aber nicht verlassen, warnt Roland Stach. Nun müsse man ein Sparprogramm aufsetzen. Dieses wäre zwar ohne Corona ebenso angefallen, denn der Mitgliederverlust beschäftigt auch die Berner Kirche. «Die Einsicht zum Sparen war schon vor Corona da, die Pandemie hat sie aber noch verstärkt», bemerkt Roland Stach. Er geht sogar davon aus, dass der Druck durch Corona die Spardiskussion noch beschleunigt.

Der Spardruck besteht also schon länger, die Pandemie spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Wegen der getroffenen Massnahmen und der guten Wirtschaftslage wird sie bei den meisten Kirchen wohl nur eine Delle hinterlassen. Allerdings betonen mehrere Finanzverantwortliche gegenüber ref.ch, dass die Berechnungen dem Blick in die Kristallkugel gleichen. Konkrete Zahlen wird man erst in ein bis zwei Jahren nennen können, wenn die Steuerrechnungen für 2020 bezahlt worden sind.