Kaum Fortschritte bei Gleichstellung

Trotz zahlreicher Reformen in vielen Ländern kommt die Gleichstellung der Geschlechter nur langsam voran. Zu diesem Schluss kommt ein OECD-Bericht, für den 180 Länder untersucht wurden.


 Tief verwurzelte Vorurteile und soziale Normen sorgten dafür, dass politische Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter oft nur halbherzig umgesetzt würden, heisst es in einem OECD-Bericht, der am internationalen Frauentag vom 8. März in Paris veröffentlicht wurde. Die Organisation untersuchte dafür Daten aus 180 Ländern.

Demnach verbietet immer noch knapp die Hälfte der untersuchten Länder (88) den Frauen, bestimmte Berufe auszuüben. In 24 Ländern brauchten Frauen die Erlaubnis des Ehemannes, um zu arbeiten. In einer Mehrheit der Länder (108) sei eine legale Abtreibung an eine Bedingung geknüpft, wie etwa die, dass das Leben der Mutter in Gefahr sei.

In 32 der untersuchten Länder sei es Frauen zudem verboten, für eine bestimmte Zeit lang nach der Scheidung wieder zu heiraten. In 29 Ländern hätten Witwen oder Töchter im Erbrecht nicht dieselben Rechte wie Witwer oder Söhne.

Diskriminierung in der Familie

Der Bericht kommt ausserdem zu dem Ergebnis, das Frauen in allen Regionen der Welt in ihrer eigenen Familie die grösste Diskriminierung erfahren. Demnach übernehmen Frauen 75 Prozent der unbezahlten Hausarbeit und Betreuung.

In 27 Ländern seien Frauen gesetzlich dazu verpflichtet, ihrem Ehemann zu gehorchen. Auch in Europa und in Nord- und Südamerika würden Frauen vor allem über die traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau definiert.

Der OECD-Bericht basiert auf dem sogenannten Sozialinstitutionen- und Gender-Index. Dieser analysiert, wie Gesetze, soziale Normen und Praktiken auf der Grundlage des Geschlechts diskriminieren. Der Bericht zeigt zudem auf, wie gesetzliche Regelungen zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen können. (sda/no)