Julia Jentsch spielt Katharina von Zimmern
Zürich im Jahr 1524: Die Lehren des Reformators Huldrych Zwingli sind offiziell anerkannt und die Bilder aus den Kirchen entfernt, es gibt Spannungen mit der katholischen Kirche und Unruhen unter den Bauern. In dieser aufgeladenen Atmosphäre fällt Katharina von Zimmern einen bedeutenden Entscheid: Die letzte Äbtissin des Fraumünsters übergibt das Kloster an den Rat von Zürich. Sie tut dies, um «die Stadt vor Unruhe und Ungemach zu bewahren und zu tun, was Zürich lieb und dienlich ist», wie urkundlich festgehalten ist.
Um diesen Schritt zu würdigen, hat der Fraumünster-Chor 500 Jahre später die Komposition eines Oratoriums in Auftrag gegeben. Wie aus einer Mitteilung der Zürcher Altstadtkirchen hervorgeht, steht dabei «die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, von historischem Wandel und zeitloser Erneuerung» im Zentrum. Uraufgeführt wird das Werk am 2. und 3. November im Fraumünster; der Anlass ist Teil der Feierlichkeiten rund um das Jubiläum (ref.ch berichtete).
Für die Aufführung konnte ein prominentes Gesicht gewonnen werden: Die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch schlüpft in die Rolle der Katharina von Zimmern. Jentsch ist unter anderem bekannt für ihre Rolle in «Sophie Scholl – Die letzten Tage», für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde.
Unterstützt wird Jentsch von den Fraumünster-Vocalsolisten, dem Vocalconsort sowie dem Fraumünster-Chor und dem Orchester Le Buisson Prospérant. Treibende Kraft hinter dem Oratorium sei der Chor unter der Leitung von Fraumünster-Kantor Jörg Ulrich Busch, heisst es weiter. Das Gesamtkonzept sowie die Komposition stammen von Helge Burggrabe.
Die Entscheidung der Äbtissin trug laut Mitteilung «nicht nur zur Reformierung der Kirche bei, sondern symbolisiert auch einen mutigen persönlichen Wandel.» Katharina von Zimmern, die 1478 in Baden-Württemberg geboren wurde, heiratete nach der Auflösung des Stifts Eberhard von Reischach, der 1531 an der Seite Zwinglis in der Schlacht bei Kappel fiel. Sie selbst starb 1547 in Zürich, wo sie nach dem Tod ihres Mannes zurückgezogen gelebt hatte. (vbu)