Geschichte

So sah Zürich am Vorabend der Reformation aus

Am Grossmünster wurde noch die Messe gelesen und die Klöster waren mächtige Wirtschaftsfaktoren: Eine interaktive Karte zeigt, wie die Stadt Zürich wenige Jahre vor der Reformation ausgehen hat.

Zürich um 1500, heiter bis bewölkt. Schon bald sollten die Gewitterwolken der Reformation aufziehen.(Visualisierung: Amt für Städtebau)

Wer um 1500 einen Spaziergang durch Zürich machte, stiess früher oder später auf Geistliche. Rund 6000 Einwohnerinnen und Einwohner lebten damals in der Stadt, ein grosser Teil von ihnen waren Ordensleute aus den zahlreichen Klöstern. Dass die Kirche vor einem historischen Umbruch stand und viele klösterliche Gemeinschaften bald aufgelöst werden sollten, ahnte noch niemand.

Wie Zürich am Vorabend der Reformation ausgesehen hat, zeigt nun ein Onlinetool des Zürcher Amtes für Städtebau. Das 3D-Modell, das seit kurzem öffentlich zugänglich ist, erlaubt einen digitalen Spaziergang durch die spätmittelalterliche Stadt. Auf der interaktiven Karte lassen sich einzelne Ausschnitte heranzoomen, per Mausklick sind Hintergrundinformationen zu allen Gebäuden abrufbar. Videos zeigen zudem die Stadt aus der Vogelperspektive.

Das Stadtmodell von 1500 ist der dritte historische Zeitabschnitt, den das Amt für Städtebau dokumentiert hat. Bereits veröffentlicht sind 3D-Modelle für die Zeit um 3000 v. Chr. und 1800, wie es in einer Mitteilung heisst.

Zu sehen ist auf den Bildern, dass Zürich damals noch weitgehend innerhalb der alten Stadtmauern lag. Grosse Grünflächen prägten das Stadtbild. Vor allem aber war Zürich eine Klosterstadt: Insgesamt sieben Klöster legten sich wie ein Kranz um den Stadtkern. Mit der Reformation sollte die Klosterkultur ein abruptes Ende finden: Die Geistlichen mussten ihre Gemeinschaften verlassen und die Gebäude wurden umgenutzt oder abgerissen.

So erging es etwa den Dominikanerinnen im Kloster Oetenbach. Die imposante Klosteranlage wurde nach der Aufhebung im Jahr 1525 zunächst als Getreidespeicher, später als Waisen- und Zuchthaus genutzt. Um 1900 wurden die Gebäude schliesslich abgerissen. Heute steht hier das Parkhaus Urania.

Das Dominikanerinnen-Kloster Oetenbach (rechts unten) beherbergte rund 40 Schwestern und war damit das grösste Frauenkloster in der Stadt. (Visualisierung: Amt für Städtebau)

Neben den Kirchengebäuden prägten die hohen Wohntürme der begüterten Familie das Stadtbild um 1500. Einige von ihnen wie zum Beispiel der Brunnenturm unweit vom Rathaus, der sich damals im Besitz der Familie Escher befand, sind bis heute erhalten. Ärmlicher waren die Verhältnisse ausserhalb von Zürich auf dem Land: Zwischen Wäldern, Wiesen und Äckern standen nur wenige schlichte Holzbauten.

Archäologische Untersuchungen sowie historische Bilddokumente lieferten das Material für die 3D-Rekonstruktion, heisst es in der Mitteilung weiter. Wichtigste Bildquelle sei dabei die Darstellung der Stadtheiligen Felix und Regula von Hans Leu dem Älteren gewesen. Das zwischen 1497 und 1502 entstandene Altarbild, das heute zur Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums gehört, enthält eine detaillierte Panoramaansicht der Stadt Zürich. Genauere Stadtansichten wie etwa der Holzschnitt des Zürcher Glasmalers und Kartografen Jos Murer entstanden erst später.

Der gesamte 3D-Datensatz ist auf dem Open-Data-Katalog der Stadt Zürich öffentlich zugänglich. Bis 2026 sollen drei weitere Zeitabschnitte dokumentiert werden.