Krieg im Nahen Osten

Israel zieht Truppen aus dem Süden Gazas ab

In Kairo wird über eine Waffenruhe verhandelt, Iran droht mit einem Vergeltungsangriff auf Israel und das israelische Militär zieht sich teilweise aus dem Gaza-Streifen zurück. Nach sechs Monaten Krieg regt sich damit eine erste Hoffnung auf Frieden.

Israel hat einen Teilabzug seiner Truppen aus dem Palästinensergebiet eingeleitet, wie die Armee mitteilte. Sie würden den Gazastreifen verlassen, «um sich zu erholen und auf weitere Operationen vorzubereiten». Israelische Medien deuteten dies als Ende der grossen Bodenoffensive, die am 27. Oktober vergangenen Jahres begonnen hatte.

Auslöser des Krieges war der Terrorangriff der Hamas auf das israelische Grenzgebiet am 7. Oktober, bei dem mehr als 1200 Menschen getötet wurden. Es war das schlimmste Massaker in der Geschichte des Landes. Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Organisationen verschleppten dabei mehr als 250 Menschen in den Gazastreifen. Bis heute werden dort nach israelischen Informationen noch 133 Menschen festgehalten, davon sollen noch knapp hundert am Leben sein.

Mehr als 1,7 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen Einwohner des Gebiets wurden nach UN-Angaben seitdem zu Binnenvertriebenen. Nach Informationen der von der Hamas kontrollierten palästinensischen Gesundheitsbehörde in Gaza wurden im vergangenen halben Jahr mehr als 33’000 Palästinenser getötet, unter ihnen Kinder, Sanitäter, Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Israel spricht von 12’000 getöteten Terroristen. Diese Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Israel Regierung unter Druck

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht international immer stärker unter Druck. In den Vereinigten Staaten und Grossbritannien mehren sich Rufe nach einem Stopp der Waffenlieferungen an den jüdischen Staat. Auch in Israel gibt es Proteste: Am Samstagabend gingen Zehntausende Menschen in der israelischen Küstenstadt Tel Aviv und anderen israelischen Städten auf die Strasse. Angehörige der Verschleppten werfen Netanjahu vor, einem Geisel-Deal im Wege zu stehen.

Für indirekte Gespräche über eine Waffenruhe und die mögliche Freilassung weiterer Geiseln trafen am Wochenende CIA-Direktor William Burns und eine Delegation der islamistischen Hamas in Kairo ein. Auch der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, wird erwartet.

Möglicher iranischer Angriff

Unterdessen wurden Drohungen aus dem Iran laut. «Die Widerstandsfront ist bereit für alle möglichen Vergeltungsszenarien und keine israelische Botschaft weltweit ist sicher davor», teilte die iranische Regierung mit.

Vergangene Woche waren zwei iranische Brigadegeneräle bei einem Raketenangriff auf die iranische Botschaft in Damaskus getötet worden. Iran macht Israel für die Attacke verantwortlich. Beobachter im Iran halten jedoch einen iranischen Angriff auf israelische Botschaften für eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei ein Angriff auf israelische oder US-amerikanische Ziele durch proiranische Gruppen im Libanon, Jemen oder Irak. (sda/ dst)