Sorge vor Flächenbrand nach Irans Angriff auf Israel
Die iranische Armee griff in der Nacht auf Sonntag israelische Ziele mit mehr als 300 Raketen und Drohnen an. Die grosse Mehrheit der Raketen fing Israels Luftabwehr nach Militärangaben noch ausserhalb der Grenzen Israels ab – auch dank Unterstützung der USA, Grossbritanniens, Frankreichs und Jordaniens. Nur eine kleine Anzahl von Raketen sei auf israelischem Gebiet eingeschlagen, Todesopfer oder grössere Schäden gab es demnach nicht. In der Negev-Wüste wurde jedoch ein zehnjähriges Mädchen schwer verletzt.
Die Führung in Teheran übte mit der Operation Vergeltung für einen mutmasslich israelischen Angriff am 1. April auf ein iranisches Botschaftsgebäude in Syriens Hauptstadt Damaskus. Zwei Brigadegeneräle der Revolutionsgarden wurden dabei getötet. Irans Präsident Ebrahim Raisi nannte die Vergeltungsaktion seines Landes «verantwortungsvoll und verhältnismässig» und warnte Israels Verbündete vor Gegenangriffen. Man habe dem «Aggressor» Israel eine Lektion erteilt. Der Iran wird allerdings als Drahtzieher hinter den blutigen Angriffen der Hamas auf seinen Erzfeind Israel vom 7. Oktober vermutet.
«Spirale der Eskalation muss gestoppt werden»
Ob und wie Israel auf den Schlag reagieren würde, war am Sonntagabend noch nicht absehbar. Israels Kriegskabinett würde über das weitere Vorgehen beraten, hiess es. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb auf der Plattform X: «Wir haben abgeschossen, wir haben gebremst. Gemeinsam werden wir siegen».
US-Präsident Biden telefonierte noch in der Nacht des Angriffs mit Netanjahu. Das Weisse Haus teilte mit, Biden habe den Angriff «auf das Schärfste» verurteilt und das «eiserne Bekenntnis» der USA zu Israels Sicherheit bekräftigt. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsvertreter, Biden habe Netanjahu gesagt, die USA würden sich nicht an «offensiven Operationen gegen den Iran beteiligen«.
Die Schweiz verurteilte den nächtlichen Angriff über die Plattform X. «Die Schweiz verurteilt die koordinierten Angriffe aus Iran gegen Israel aufs Schärfste», schrieb das Aussendepartement. Der Angriff erhöhe die Risiken für die Region erheblich. Es gelte, grösstmögliche Zurückhaltung zu üben. «Die Spirale der Eskalation muss sofort gestoppt werden.»
Fehrs: «Schändlich und völkerrechtswidrig»
Auch mehrere Kirchenvertreter verurteilten den Angriff auf Israel. Die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, bezeichnete den Angriff Irans als «schändlich und völkerrechtswidrig». Sie appellierte an alle Seiten, «jede Aktion zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation dieser extrem anspannten Lage führen kann». Sie bete zu Gott, «dass es gelingen möge, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und so das Leid und die Not aller Menschen in der Region nachhaltig zu lindern».
Papst Franziskus forderte laut einem Bericht des Portals «Vatican News» die Verantwortlichen auf, «keine Massnahmen zu ergreifen, die eine Gewaltspirale in Gang setzen und den Nahen Osten in einen noch grösseren kriegerischen Konflikt hineinziehen könnten». Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief alle an dem Konflikt Beteiligten auf, nicht die Existenz anderer zu bedrohen. «Alle Nationen sollten sich stattdessen auf die Seite des Friedens stellen und den Israelis und Palästinensern helfen, in zwei Staaten, nebeneinander, in Sicherheit zu leben», sagte er. «Das ist ihr tiefer und legitimer Wunsch und ihr Recht.» (epd/ sda/ eba)