Vorsichtiger Optimismus bei den deutschen Kirchen

In Berlin haben Vertreter der Religionsgemeinschaften gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium beraten, ob Lockerungen der Corona-Beschränkungen für Gottesdienste möglich sind. Bundesweit wird es vor Anfang Mai keine Gottesdienste geben. Einzige Ausnahme: Sachsen.


Nach einem Gespräch zwischen den Religionsgemeinschaften und dem Bund am 17. April ist in Deutschland klar: Bundesweit wird es keine Gottesdienste vor Anfang Mai geben. Eine Ausnahme ist Sachsen. Das Bundesland hat beschlossen, Gottesdienste mit bis zu 15 Teilnehmern wieder zu ermöglichen. «Wir erlauben Gottesdienste in einem geringen Umfang», sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am 17. April in Dresden. Erlaubt seien 15 Teilnehmer bei religiösen Versammlungen sowie zusätzlich ein Pfarrer und ein Kantor.

Bundesweit gibt es noch kein einheitliches Vorgehen für eine Wiederzulassung religiöser Zusammenkünfte und Veranstaltungen. Allerdings wollen die Kirchen, der Zentralrat der Juden und die islamischen Moscheeverbände in der kommenden Woche Konzepte vorlegen, wie Gottesdienste mit den nötigen Hygieneregeln abgehalten werden können.

Entscheidung liegt bei den Bundesländern

Bund und Länder würden am 30. April auf Basis der Konzepte über eine Lockerung der geltenden Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie für Gottesdienste beraten, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit. Entscheiden müssen dann jedoch die einzelnen Bundesländer, das Treffen mit Innenstaatssekretär Markus Kerber (CDU) am Freitag diente vor allem dem Austausch und der Vermittlung. Die Teilnehmer der Runde beschrieben die Atmosphäre als «angenehm» und «konstruktiv».

Evangelische und katholische Kirche kündigten an, in der kommenden Woche entsprechende Konzepte mit Abstands- und Hygieneregelungen vorzulegen. Ziel sei, «möglichst bald» danach wieder Gottesdienste abhalten zu können. Ob das schon am ersten Mai-Wochenende der Fall sein könnte, sei offen und gegebenenfalls je nach den Bedingungen der einzelnen Gemeinden regional unterschiedlich, sagte der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin, Martin Dutzmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach dem Gespräch.

«Denkbar wären Gottesdienste im Freien»

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), sagte: «Denkbar wäre, die Anzahl der Gottesdienstbesucher zu begrenzen, Gottesdienste im Freien, das Angebot von Gottesdiensten zu erhöhen und in den Kirchen, Moscheen und Synagogen einen Mindestabstand zu gewährleisten.» Was im Plenarsaal des Bundestages möglich sei, müsse auch in Gotteshäusern erlaubt sein.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, erklärte, die Gläubigen würden das Signal aus dem Gespräch im Ministerium als Zeichen der Hoffnung zu schätzen wissen. Viele litten unter den Beschränkungen ihrer religiösen Praxis.

Auch der Zentralrat der Juden will ein Hygienekonzept vorlegen, teilte er am Freitag mit. Zentralratspräsident, Josef Schuster, begrüsste ebenso wie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm die einmütige Vereinbarung zwischen Bund und Religionsgemeinschaften.

Mehr Unterstützung für Seelsorge

Ein weiteres zentrales Anliegen der Kirchen sei die Gewährleistung der Seelsorge an Kranken und Sterbenden gewesen, sagte Bedford-Strohm. Auch hier habe Einigkeit bestanden, dass die Kirchen bei der Wahrnehmung dieser wichtigen Aufgabe stärker unterstützt würden.

Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime, Burhan Kesici, sagte dem epd, die muslimischen Glaubensgemeinschaften würden sich an die Beschränkungen halten. Für die Muslime beginnt Ende der kommenden Woche der heilige Fastenmonat Ramadan. Nach dem 3. Mai wolle man sehen, wie Gebete in den Moscheen stattfinden könnten. Beten und Fasten ist im Ramadan zentral für Muslime. (epd/mos)