Hilfsorganisationen warnen vor «Horror» im Gazastreifen
Die humanitäre Lage im Gazastreifen spitzt sich weiter zu. Kein Mensch fühle sich sicher, wenn alle zehn Minuten Bomben fallen würden, sagte der Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, James Elder, der britischen BBC. Er bezeichnete die Lage als «Horror».
«Wenn ich sehe, wie ein Kind nach dem anderen hereingerollt wird, wie Eltern mit schrecklichen Kriegsverletzungen auf Bahren schreien – dann sind sie weder in Krankenhäusern noch in Unterkünften sicher», sagte Elder. Für die Menschen im Süden des Gazastreifens komme neben der Gefahr
«Kein sicherer Ort für Kinder»
Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, beklagte, dass derzeit keine angemessene humanitäre Hilfe möglich sei. «Das Ausmass des menschlichen Leids ist unerträglich», sagte sie bei einem Besuch in dem umkämpften Palästinensergebiet. Es sei zudem inakzeptabel, dass es für die Bevölkerung keine sicheren Zufluchtsorte gebe. Auf Fotos war zu sehen, wie Menschen in provisorischen Zeltlagern und im Freien zwischen Trümmern und zerstörten Gebäuden kampierten.
Save the Children warnte vor den enormen Risiken der Kämpfe im Süden des Gazastreifens für Kinder. Nach neuen Aufforderungen von Israels Militär, Gebiete zu evakuieren, gebe es keinen einzigen sicheren Ort mehr für Kinder in Gaza, erklärte Landesdirektor Jason Lee. «Für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen wird eine beispiellose humanitäre Krise nun endgültig zur Katastrophe.»
Wachsende Kritik am Vorgehen Israels
Gut fünf Wochen nach Beginn der Bodenoffensive im Norden des Gazastreifens hat das israelische Militär seine Einsätze im Kampf gegen die islamistische Hamas am Boden auf den gesamten Küstenstreifen ausgeweitet. Israel reagiert damit auf das Hamas-Massaker am 7. Oktober. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei und bei Kämpfen in den folgenden Tagen in Israel getötet.
Hunderttausende Palästinenser waren aus dem umkämpften Norden in den Süden geflohen, wo es nun auch verstärkt Kämpfe am Boden geben dürfte. Im südlichen Teil des Gazastreifens halten sich nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA etwa 1,8 Millionen Menschen auf – fast 80 Prozent der Bevölkerung. Das Gebiet südlich von Wadi Gaza, wo viele Zuflucht gesucht haben, hat eine Fläche von 230 Quadratkilometern, was in etwa der Fläche des Kantons Zug entspricht.
Wegen der hohen Opferzahl in der Zivilbevölkerung im Gazastreifen infolge der massiven Angriffe wächst international die Kritik am Vorgehen der israelischen Armee. Das Militär wiederum wirft der islamistischen Hamas vor, Angriffe aus Wohngebieten und Krankenhäusern heraus zu verüben und Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. (sda/ dpa/ no)