Heilsarmee mit neuer Meldestelle
Die Guido Fluri Stiftung hat in den vergangenen Jahren erfolgreich eine Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen gefordert. Sie hat viel Erfahrung mit der Aufarbeitung von Missbrauch – und nun ein neues Mandat: Für die Heilsarmee betreibt die Stiftung seit dem 1. November eine unabhängige Meldestelle. Menschen, die in Heimen der Heilsarmee Missbrauch erlebt haben, können sich neu dorthin wenden.
In einer Mitteilung schreibt die Heilsarmee, sie wolle als «sorgende Institution» proaktiv eine Klärung möglicher Missbrauchsfälle an die Hand nehmen. «Die Heilsarmee verfolgt eine Zero-Tolerance-Strategie. Selbstverständlich ist die Vergangenheit davon nicht ausgenommen», wird Philipp Hadorn, seit 2022 externes Mitglied des Stiftungsrates, zitiert.
Die Guido Fluri Stiftung übernimmt das Mandat auch mit Blick auf andere kirchliche Institutionen. Für sie sei wichtig, dass Missbrauchsfälle ohne Wenn und Aber aufgearbeitet, eine Wiedergutmachung geleistet und die Täter verfolgt würden, so Guido Fluri laut Mitteilung. «Die proaktive Haltung der Heilsarmee soll Vorbild für andere Institutionen sein, welche die Missbrauchsthematik teilweise nur auf Druck angehen».
Die Anlaufstelle wird komplett unabhängig von der Heilsarmee betrieben und erhält keine finanziellen Zuwendungen von der Organisation. Sie bietet kostenlose und anonyme Beratung und kann Anträge an die Heilsarmee stellen. Mögliche Wiedergutmachungen reichen von einer offiziellen Entschuldigung bis zur finanziellen Leistung eines Solidaritätsbeitrags. (vbu)