Gottfried Locher befürwortet «Ehe für alle»

Im Juli hatte der Rat des Evangelischen Kirchenbundes die Frage nach einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle noch offen gelassen. Nun positioniert sich Ratspräsident Gottfried Locher klar: Er persönlich unterstütze die Idee.


Eigentlich wollte sich Gottfried Locher vorerst nicht zur «Ehe für alle» äussern. Nachdem die Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes das Thema im Juni intensiv debattiert – und dabei den Rat für seine zurückhaltende Vorarbeit stark kritisiert – hatte, liess der Ratspräsident verlauten, die interne Meinungsbildung müsse jetzt Priorität haben.

Nun hat es sich Locher offenbar anders überlegt. In einem Interview mit dem Tagesanzeiger vom 15. August sagte er, dass er die Öffnung der Ehe für Homosexuelle befürworte. «Auch Homosexualität entspricht Gottes Schöpfungswillen. Es gibt keinen Spielraum: Man kann nicht lavieren und sagen, das könne man verschieden sehen», so Locher. Da die Ehe zudem keine Grundfrage des Glaubens sei, sehe er keinen Grund, warum die Kirche eine allfällige Öffnung der Ehe nicht mittragen solle.

Im Juli noch kein klares Statement

Lochers Statement kommt nur wenige Wochen, nachdem der Rat des Kirchenbundes seine Vernehmlassungsantwort zur Parlamentarischen Initiative «Ehe für alle» veröffentlicht hat. Dieser Vorstoss wurde von der Grünliberalen Partei im Nationalrat eingereicht und fordert den Gesetzgeber auf, «alle rechtlich geregelten Lebensgemeinschaften für alle Paare zu öffnen, ungeachtet ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung.»

In seiner Stellungnahme vom 8. Juli hatte der Rat noch offen gelassen, ob er die Initiative unterstützt oder nicht. Er hatte lediglich festgehalten, dass viele Mitgliedkirchen für eine «weitgehende oder vollständige Gleichbehandlung von hetero- und homosexuellen Paaren» stünden, andere sich hingegen noch in einem Klärungsprozess befänden. Die Frage bedürfe einer «einmütigen Antwort der Kirchen». Es sei aber auch wichtig, dass theologische und liturgische Differenzen innerhalb der Kirchen nicht eingeebnet würden, so der Rat damals.

Ja oder Nein im November?

Im Interview mit dem Tagesanzeiger betonte Gottfried Locher nun, dass es sich bei dem Gesagten um seine persönliche Ansicht handle und er dem Meinungsbildungsprozess innerhalb der reformierten Kirchen nicht vorgreifen wolle. Dieser soll an der Abgeordnetenversammlung vom 4. November sein vorläufiges Ende finden: Wie Locher im Interview erklärte, will der Rat den Delegierten dann einen konkreten Antrag zur «Ehe für alle» stellen. (vbu)