Schweizer Methodisten wehren sich gegen «traditionellen Plan»

Methodistischen Pfarrern, die homosexuelle Paare trauen, drohen künftig Strafen – so wurde es kürzlich an der Generalkonferenz der Kirche in den USA beschlossen. In der Schweiz will man das nicht diskussionslos hinnehmen.

Die Vereinigte Methodistenkirche (UMC) lehnt gleichgeschlechtliche Ehen weiterhin ab. Pfarrerinnen, die homosexuelle Paare trotzdem trauen, sollen diszipliniert werden. (Bild: Keystone/Marc Müller)

In der methodistischen Kirche brodelt es weiter. Nachdem die Vereinigte Methodistenkirche (UMC) im Februar an ihrer Generalkonferenz in den USA beschloss, gleichgeschlechtliche Ehen weiterhin abzulehnen, formiert sich in der Schweiz nun Widerstand gegen den sogenannten traditionellen Plan. «Kirche nach tradi­tionellem Plan – kein Weg für uns» heisst eine Petition, die Anfang Mai im Internet lanciert und bis Redaktionsschluss bereits von 346 Personen unterzeichnet wurde.

Im Onlineschreiben werden insbesondere die Folgen für die Pfarrer kritisiert, die sich nicht an den «traditionellen Plan» halten wollen. «Besonders stossend finden wir die Strafen gegenüber Pfarrpersonen, die in dieser einen Frage anders denken: Sie werden gezwungen, unsere Kirche zu verlassen», heisst es. Die harte Haltung widerspricht gemäss dem Peti­tionstext «dem Geist der Liebe und der Gnade, den Christus vorgelebt hat».

«So ein Umgang miteinander geht nicht»

Lanciert wurde die Petition von Christine Schneider aus Freienstein im Kanton Zürich. Sie ist seit langem Mitglied der Evangelisch-Methodistischen Kirche (EMK) Schweiz und war schon mehrere Male Delegierte an der Generalkonferenz der UMC, so auch dieses Jahr. «Wenn eine Pfarrerin ein homosexuelles Paar traut, dann würde man sie ein Jahr vom Dienst suspendieren, und zwar ohne Bezahlung», sagt Schneider. Bei Wiederholung verliere sie gar ihre Ordination. «Ein solcher Umgang miteinander geht nicht.» Bisher hätte es in der Frage von Homosexualität eine grosse Vielfalt in der methodistischen Kirche gegeben.

Die Petition richte sich ganz gezielt an den Vorstand der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika. «Im Juni findet die jährliche Konferenz in der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika statt. Dort wird der Beschluss sicher Thema sein und wir schauen, wie es danach weitergeht», so Schneider.

Noch gilt die alte Kirchenordnung

Bei den Schweizer Methodisten hat man Kenntnis von der Petition. «Ich finde es positiv, dass die Mitglieder und Freunde der Kirche sich aktiv überlegen, was uns als Kirche prägen soll», sagt Patrick Streiff, Bischof der EMK Schweiz-Frankreich-Nordafrika auf Anfrage von ref.ch. Dazu gehöre auch die Frage, «wo wir mit unterschiedlichen Überzeugungen gemeinsam Kirche sein können, ohne andersdenkende Mitglieder auszuschlies­sen». Es sei wichtig, diese Stimmen zu hören, insbesondere weil die Petition Menschen mit einer traditionellen Ansicht ja keineswegs ausschliessen wolle. Nun müssten intensive Gespräche geführt werden. Bis 2021 gelte ohnehin die bisherige Kirchenordnung. Danach werde sich zeigen, inwiefern der traditionelle Plan für die Schweiz wirksam werde.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.