Auch Reformierte planen Kollekte für Verdingkinder

Die reformierten Kirchen der Schweiz und die römisch-katholische Kirche haben für das nächste Jahr Sonntagskollekten geplant, die an die Opfer von fürsorgerischer Zwangsmassnahmen fliessen sollen.

Szene aus dem Film «Der Verdingbub».
Szene aus dem Film «Der Verdingbub». (Bild: Ascote Elite Filmverleih GmbH)

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) plant, am Ostersonntag 2015 eine solche Kollekte durchzuführen, wie Anne Durrer, Kommunikationsbeauftragte des SEK, am Donnerstag, 7. August, auf Anfrage der Presseagentur Kipa sagte. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hatte bereits im März den Sammeltag auf den 16. August 2015 angesetzt.

Die SBK hatte an ihrer Versammlung im März beschlossen, mit einer einmaligen Sonntagskollekte zur Äufnung des Solidaritätsfonds für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen beizutragen. In der deutschsprachigen Schweiz solle dieses Opfer «wenn immer möglich am 16. August 2015» aufgenommen werden, teilten die Bischöfe im März mit. Es ist dies der Sonntag nach dem Fest Mariä Himmelfahrt. Laut einem Bericht des Winterthurer «Landboten» vom 7. August rechnet Walter Müller, Sprecher der SBK, damit, dass mehrere Hunderttausend Franken zusammenkommen werden. Für eine persönliche Stellungnahme war Müller am Donnerstag, 7. August, nicht erreichbar.

SEK: Mitgliederkirchen angefragt

Auch Anne Durrer, Kommunikationsbeauftragte des SEK, geht von einem sechsstelligen Betrag aus, der bei einer Kollekte für den Solidaritätsfonds in den Mitgliederkirchen der SEK zustande kommen könnte. Der SEK habe seine Mitgliederkirchen angefragt, ob sie sich an einer solch koordinierten Kollekte beteiligen würden. Vorgeschlagen wurde der Ostersonntag, 5. April 2015. Die bisherige Resonanz auf diese Frage sei sehr positiv, so Durrer gegenüber Kipa. Der SEK werde aber erst im Herbst darüber entschieden, ob eine solche koordinierte Kollekte in den Mitgliederkirchen durchgeführt wird.

Auf die Frage, weshalb der Kollektentag erst nächstes Jahr angesetzt sei, meinte Durrer, dass die Entschädigung der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen nicht innerhalb eines Jahres zu erledigen sei. «Damit eine möglichst grosse Resonanz erreicht werden kann, lohnt es sich, einen wichtigen Kirchentag auszuwählen», begründete Durrer die Wahl des Datums. Der SEK führe eher selten koordinierte Kollekten durch, entsprechend gross wäre in diesem Fall die Symbolwirkung.

Verantwortung der reformierten Kirche

Anders als die katholische Kirche habe die reformierte Kirche zwar keine Kinderheime geführt, doch seien vor allem in ländlichen Gegenden auch reformierte Dorfpfarrer oftmals wichtige Ansprechperson für die Behörden gewesen, wenn es etwa um die Platzierung von Kindern ging. In diesem Sinne trage auch die reformierte Landeskirche eine Mitverantwortung, so Durrer.

Anfang August teilte die Bundesverwaltung mit, dass die Glückskette die ersten Beiträge aus dem Soforthilfefonds für Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen ausbezahlt habe. Parallel dazu verfolgt die Organisation «Runder Tisch», die sich für die Rechte der Opfer einsetzt, weiterhin das Ziel einer definitiven Regelung in Form eines Solidaritätsfonds. Der zeitlich befristete Soforthilfefonds ist als Überbrückungshilfe bis zur Schaffung einer Gesetzesgrundlage für finanzielle Leistungen konzipiert. Der von Bundesrätin Simonetta Sommaruga eingesetzte Runde Tisch hat sich am 21. März 2014 für die Schaffung eines Solidaritätsfonds ausgesprochen, der hauptsächlich vom Staat finanziert werden soll.

Diese definitive Regelung setzt die Schaffung einer gesetzlichen Grundlage voraus, was laut Glückskette drei bis vier Jahre dauern wird. Beim Inkrafttreten dieser gesetzlichen Grundlage wird der Soforthilfefonds aufgelöst und ein allfälliges Restkapital in den Fonds des Bundes überwiesen. (kipa)