«Mich interessieren die Bilder, die wir uns von Jesus machen»

«Bist du Jesus?» Mit dieser Frage hat die Reformierte Zürcher Landeskirche Interessierte dazu aufgefordert, in einem Casting über ihr Jesus-Bild zu sprechen. Wer kam und warum aus dem Casting ein Film werden soll, verrät Projektleiterin Friederike Osthof.

Im Casting präsentierten die Teilnehmenden ihre Vorstellung von Jesus. (Bild: zVg)

Frau Osthof, in Ihrem Aufruf luden Sie Menschen ein, vor der Kamera über ihre Vorstellung von Jesus zu sprechen. Wie ist das angekommen?
Trotz der etwas provokativen Frage haben sich ungefähr zwanzig Personen gemeldet. 16 davon haben wir zum Casting eingeladen. Erfreulich war auch, dass die Teilnehmenden aus allen Altersklassen kamen, von der Schülerin bis zum Pensionierten.

Erfüllten die Teilnehmenden Ihre Erwartungen an das Casting?
Ich war vor allem gespannt, wer sich melden würde. Am spannendsten fand ich die Mischung der unterschiedlichen Jesus-Vorstellungen. Darunter dominierte der Jesus, der die Menschen liebt und die Nächstenliebe hochhält. Aber es gab auch andere Aspekte.

Zum Beispiel?
Eine junge Frau meinte, dass ein heutiger Jesus in den sozialen Medien sehr präsent wäre. Eine andere Frau hob die mütterlichen Züge ihres Jesus hervor, also die Vorstellung, andere Menschen zu umarmen. Ein weiterer Teilnehmer betonte die spirituelle Kraft, die sich in Jesus offenbart.

Welcher Jesus war Ihr Favorit?
Einen Favoriten hatte ich nicht. Mich beeindruckte die grosse Ernsthaftigkeit, mit der die Teilnehmenden ihre Jesus-Interpretation vortrugen. Und mich berührte, wie engagiert sie Jesus zu ihrer eigenen Sache machten.

Das Projekt ist im Rahmen des Reformationsjubiläums entstanden. Was hat es mit der Reformation zu tun?
Es geht mir um die aktuelle Dimension der Reformation. So wie die Reformatoren vor 500 Jahren Bibel und Christentum neu entdeckten, soll Jesus in seiner heutigen Relevanz erkundet werden. Dabei interessiert mich, welche Bilder von Jesus heute in den Köpfen existieren. Und welche Erwartungen und Sehnsüchte wir mit ihm verbinden.

Die Teilnehmenden wurden beim Casting gefilmt. Was passiert nun weiter?
Die Filmaufnahmen werden zurzeit von den beiden jungen Regisseuren zu einem Kurzfilm geschnitten. Das Casting ist allerdings nur ein Teil des Films. Zusätzlich haben wir Passanten auf der Strasse befragt, wie sie sich Jesus heute vorstellen und welchem Jesus sie folgen würden. Und noch einiges mehr, das ich hier aber noch nicht verraten will.

Was wollen Sie mit dem Film erreichen?
Der Film soll unterhalten und zum Nachdenken über Jesus und unsere Vorstellungen von ihm anregen. Zudem kann er für didaktische Zwecke verwendet werden. Geplant ist eine DVD, die zusammen mit Arbeitsblättern zum Beispiel in der Erwachsenenbildung oder im Konf-Unterricht eingesetzt werden kann. (no)