Fussball
Fans zeigen religiöse Motive, aber die Uefa büsst aus anderen Gründen
Die Empörung in den sozialen Netzwerken und rechten Medien ist gross: Der europäische Fussballverband Uefa soll zwei Clubs wegen religiösen Darstellungen im Stadion mit Bussen sanktioniert haben. «Jesus Christus hat Stadionverbot», titelte ein Medium der Neuen Rechten. Ein rechtspopulistischer EU-Abgeordneter aus Griechenland soll gegen den Entscheid beim EU-Kommisar für Sport protestiert haben, so ein Medienbericht.
Konkret geht es um zwei Europapokal-Heimspiele von Roter Stern Belgrad und OSC Lille. Die Fanlager hatten in ihren Choreographien vor Anpfiff christliche Heilige gezeigt. In Belgrad bildeten die Fans mit hochgehaltenem Kunststoff-Fetzen ein Mosaik, das eine ikonische Darstellung zeigte. Darunter ein Banner mit der Aufschrift: «Möge unser Glaube dich zum Sieg führen.» In Lille zogen die Fans ein Banner einer kämpfenden Jeanne d'Arc auf, darunter der Satz: «Franzosen sterben nie.»
Das Kontroll-, Ethik- und Disziplinarorgan der Uefa hat beide Clubs im Nachgang dieser Spiele sanktioniert. Belgrad mit insgesamt 88'000, Lille mit 76'000 Franken. Das geht aus einer Entscheidung vom 25. März hervor. Die Gründe sind vielfältig: Etwa für das Zünden von Pyrotechnik, Werfen von Gegenständen und das Blockieren öffentlicher Durchgänge.
Im Fokus der Diskussion stehen die beiden Sanktionen für «provokative Botschaften, die für eine Sportveranstaltung ungeeignet» sind. Laut Regelwerk fallen darunter «insbesondere provokative Botschaften politischer, ideologischer, religiöser oder beleidigender Art». Lille bekam dafür eine Busse von 16'000 Franken aufgebrummt, in Belgrad beträgt sie gar 36'800 Franken, weil zusätzlich der «Fussballsport und insbesondere die Uefa» in Verruf gebracht worden seien.
Aus den knapp formulierten Entscheiden der Uefa wird nicht klar, ob die Bussen in einem Zusammenhang mit den Choreografien stehen. Entsprechend gross ist der Raum für Interpretationen oder Missverständnisse.
Auf Anfrage von ref.ch schreibt die Uefa-Medienstelle, beide Sanktionen hätten «entgegen der falschen Berichterstattung einiger Medien» nichts mit den religiös konnotierten Choreographien zu tun. In Belgrad beziehe sich die Busse auf ein «Fuck Uefa»-Transparent im Stadion. Lille habe man «ausschliesslich wegen beleidigender Gesänge» gegen den gegnerischen Torhüter gebüsst. Der Argentinier hatte mit seinem Team den WM-Final 2022 gegen Frankreich gewonnen. (gab)