Fürsorgerische Zwangsmassnahmen
Glarus bewilligt Forschungsprojekt
Noch bis in die 1970er-Jahre sind in der Schweiz Kinder ihren Eltern entrissen und zwangsplatziert worden. Auch im Kanton Glarus seien Minderjährige ohne rechtliche Grundlage in Heimen platziert und als Arbeitskräfte ausgebeutet worden, schreibt die Kantonsregierung in einer Mitteilung. «Sie leiden heute noch unter der erfahrenen Ungerechtigkeit und unter der oft schlechten Behandlung», heisst es im Communiqué wörtlich.
Historikerin leitet Studie
Die Mädchen und Jungen wurden unter anderem im Idaheim in Näfels, dem Flueblüemli in Braunwald, dem Mädchenheim in Mollis oder der Linthkolonie Ziegelbrücke untergebracht. Welches Leid den Menschen angetan worden sei, sei bis heute nicht im Detail bekannt.
Das soll sich ändern: Julia Rhyner-Leisinger führt im Auftrag der Glarner Regierung eine Studie durch. Die Historikerin soll einen Forschungsbericht erarbeiten, der die behördlichen Eingriffe systematisch analysiert und historisch einordnet.
Betroffene miteinbeziehen
Der Untersuchungszeitraum reicht laut des Regierungsrates von den 1920er-Jahren bis in die Gegenwart. Auch Entwicklungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sollen einbezogen werden. Der Projektkredit beträgt 40'000 Franken.
Ziel der Studie ist, den Betroffenen Sichtbarkeit zu verschaffen und das erlittene Unrecht anzuerkennen. Die Opfer sollen möglichst früh und direkt miteinbezogen werden. «Das Projekt leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufarbeitung eines dunklen Kapitels und macht die Erfahrungen der Opfer öffentlich hör- und sichtbar», schreibt die Regierung. (jow)