Fünf Rücktritte an der Spitze der Evangelischen Kirche in Genf

Fünf Mitglieder der neunköpfigen Exekutive der Evangelischen Kirche in Genf haben am 10. Juni ihren sofortigen Rücktritt angekündigt.


«Man muss wissen, wie man dient und wieder verschwindet», sagte der Präsident der Evangelischen Kirche in Genf (EPG), Emmanuel Fuchs, am 10. Juni anlässlich der Sitzung des Kirchenparlaments. Er schloss damit seine Rede, in der er sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegte. Daraufhin ergriffen drei weitere Mitglieder der Exekutive das Wort, um ebenfalls ihren Rücktritt mit sofortiger Wirkung zu verkünden.

«Das Virus des Misstrauens hat sich eingeschlichen», sagte Charles de Carlini, Vizepräsident der EPG. «Seit einem Jahr habe ich vor den Parlamentssitzungen nicht mehr geschlafen. Ich bin nicht bereit, für Ideen zu sterben, auch nicht einen langsamen Tod», gestand Alain de Felice. «Ich wollte dienen, ich war in gutem Glauben, enthusiastisch. Aber ich war bald desillusioniert. Seit ich dem Rat beigetreten bin, erlebe ich einen Kreuzweg», fügte Joséphine Sanvee hinzu. Joëlle Walther informierte die Delegierten schliesslich über den Rücktritt von Rémy Aeberhard am 30. Juni.

«Hinterhältige Angriffe und Machtkämpfe»

In ihren Reden berichteten die zurückgetretenen Mitglieder von grossen Spannungen innerhalb der Genfer Kirche. Sie sprachen von hinterhältigen Angriffen, böswilligen Unterstellungen, Leid, Vertrauensverlust und Machtkämpfen. Diese Atmosphäre herrschte angeblich bereits seit einem Jahr.

Vor einem Jahr hatte die Exekutive dem Parlament ein neues Führungsmodell für die EPG vorgeschlagen, was zu heftigen Debatten und Gegenvorschlägen führte. Angesichts des Unverständnisses und der Besorgnis beschloss die Exekutive – der sogenannte Conseil du Consistoire – schliesslich im vergangenen November, die Angelegenheit wieder in die Kommission zurückzugeben. Ein Kritikpunkt war der Plan des Conseil du Consistoire, dem Parlament die Macht zugunsten der Führung zu entziehen.

Grundlegende Fragen vernachlässigt

Emmanuel Fuchs erklärte: «Seit einem Jahr beobachte ich erschrocken die Debatte über die Regierungsführung. Die gesamte Energie der Kirche ist durch Strukturfragen gebunden worden, wobei die grundlegenden Fragen zur Mission und der spirituellen Dimension vernachlässigt wurden». Er fügte hinzu: «Ich habe das Vertrauen des Parlaments verloren, das anscheinend eine andere Strategie für unsere Kirche verfolgen will.»

Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Bericht von ehemaligen EPG-Amtsträgern über die Entlassung eines Mitarbeiters durch den Conseil du Consistoire. Nach Ansicht der Verfasser habe die Entscheidung nicht als fair und kirchlich fundiert bezeichnet werden können.

Neues Führungsmodell akzeptiert

Nach ihren Reden verliessen die zurückgetretenen Mitglieder das Gebäude, während Joëlle Walther und David Brechet ankündigten, im Amt zu bleiben. «Ich bleibe dem Versprechen treu, das ich vor Ihnen gegeben habe», sagte Joëlle Walther.

Die Versammlung hat schlussendlich das von der Kommission vorgeschlagene Führungsmodell akzeptiert. Dabei ist die Mission in den Leitungsorganen stärker präsent und die Behörden werden neu definiert. (Marie Destraz/protestinfo)