Bewohner griechischer Inseln protestieren gegen neue Flüchtlingslager

Die griechische Regierung will auf fünf Agäis-Inseln neue Lager für rund 20'000 Flüchtlinge bauen. Gegen dieses Vorhaben haben die Bewohner zum Streik aufgerufen. Auf der Insel Lesbos kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Auf mehreren griechischen Ägäis-Inseln sind die Bewohner in einen Generalstreik getreten, um gegen den Bau neuer Flüchtlingslager zu demonstrieren. Auf der Insel Lesbos kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Kleine Gruppen von Demonstranten warfen Steine auf Polizisten, die mit Tränengas und Blendgranaten reagierten. «Wir befinden uns in einer Kriegssituation», sagte der örtliche Pfarrer, Pater Stratis.

Die Bewohner der Inseln beschweren sich, dass die Anwesenheit tausender Asylsuchender die Sicherheit und die öffentliche Gesundheit bedrohe. «Wir nehmen Kriegsflüchtlinge auf, aber die Kriminellen sollten gehen», sagte Pater Stratis.

Nach wochenlangen erfolglosen Gesprächen mit den örtlichen Behörden über die neuen Lager entsandte die konservative Regierung am Montag Baumaschinen und hunderte Bereitschaftspolizisten nach Lesbos und Chios und sorgte damit für breite Empörung. Die Polizei habe «Waffen, wir haben unsere Herzen und Seelen», sagte Pater Stratis.

Alte Lager schliessen

Die Regierung in Athen will mit dem Bau von neuen abgeriegelten Flüchtlingslagern bis Mitte 2020 fertig sein (ref.ch berichtete). Die bereits bestehenden, komplett überfüllten Lager sollen geschlossen werden.

In den neuen Einrichtungen sollen nach Angaben von Migrationsminister Notis Mitarachi 20’000 Asylbewerber für eine Dauer von maximal drei Monaten untergebracht werden. Überdies sollen die Migranten die neuen Lager nicht mehr unkontrolliert verlassen können.

Derzeit sitzen auf fünf griechischen Ägäis-Inseln mehr als 38’000 Asylsuchende unter von Hilfsorganisationen als unmenschlich bezeichneten Zuständen in überfüllten Lagern fest. Tatsächlich sind die Lager nur für rund 6200 Menschen ausgerichtet. Im vergangenen Jahr verzeichnete Griechenland die höchste Zahl neu ankommender Flüchtlinge in Europa. (sda)