Flüchtlinge der «Ocean Viking» in Italien an Land gelassen

Erstmals seit über einem Jahr hat Italien einem zivilen Rettungsschiff einen sicheren Hafen zugewiesen. Zudem soll ein Teil der Flüchtlinge im Land bleiben dürfen; die restlichen werden nach Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg gebracht.


In Abstimmung mit den italienischen Behörden hat das Rettungsschiff «Ocean Viking» 82 Bootsflüchtlinge nach Lampedusa gebracht. Die Seenotleitstelle in Rom, die bei Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer für die Koordination zuständig ist, hatte das von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene Schiff am 14. September angewiesen, die italienische Insel als sicheren Hafen anzusteuern.

«Nach 14 Monaten ist die Ocean Viking das erste zivile Rettungsschiff, das autorisiert Menschen an einen sicheren Ort in Italien bringt», schrieb SOS Méditerranée und begrüsste die Entscheidung der neuen italienischen Regierung als ermutigendes Signal.

EU-Länder nehmen Flüchtlinge auf

Die im August zerbrochene Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega hatte Rettungsschiffe nur in Ausnahmefällen und nach langem Gerangel in italienische Häfen gelassen und die Schiffe dann meist beschlagnahmt. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hatte sich Ende Juni über ein Verbot hinweggesetzt, als sie mit der «Sea-Watch 3» in Lampedusa einfuhr.

Seit Anfang September regieren in Rom die Fünf Sterne mit den Sozialdemokraten, die Spitzenbeamtin Luciana Lamorgese löste Lega-Chef Matteo Salvini im Innenressort ab. «Italien, die Mauer fällt», titelte die Tageszeitung La Repubblica am 15. September zu der Entscheidung zugunsten der «Ocean Viking». Nach italienischen Presseberichten werden Deutschland und Frankreich je 24 der 82 Flüchtlinge übernehmen, weitere 24 bleiben in Italien. Acht gehen nach Portugal und zwei nach Luxemburg.

Uno begrüsst jüngste Entwicklung

Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi begrüsste die jüngste Entwicklung. «Hoffentlich ist dies ein weiterer Schritt hin zu einem dringend benötigten, berechenbaren Ausschiffungsabkommen, das von einer Anzahl europäischer Länder unterstützt wird», schrieb Grandi auf Twitter.

Salvini, jetzt Italiens Oppositionsführer, kritisierte die Entscheidung zur Ausschiffung in Lampedusa scharf. «Die sind verrückt geworden. Das ist eine Kapitulation vor denjenigen, die Italien zum Flüchtlingslager Europas machen wollen», sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.

Lampedusas Bürgermeister Totò Martello bezeichnete die Zuweisung der kleinen Insel als unlogisch, da die «Ocean Viking» viel näher an Porto Empedocle in Sizilien gewesen sei. Ihm sei aber dann vom Innenministerium erklärt worden, dass die Hotspots zur Aufnahme von Flüchtlingen auf Sizilien überfüllt seien, sagte er der Repubblica.

84 Bootsflüchtlinge gerettet

Die «Ocean Viking» hatte am 8. September zunächst 50 Menschen gerettet. Einen Tag später übernahm sie 34 gerettete Bootsflüchtlinge vom Segelschiff «Josefa». Zwei Menschen, eine schwangere Frau und ihr Mann, durften im Laufe der Woche von Bord und wurden nach Malta gebracht.

Am 14. September erreichten laut Ansa 32 Menschen aus Tunesien mit zwei Booten Lampedusa aus eigener Kraft. Am Abend kam ein weiteres Boot mit 78 Menschen – vor allem Tunesier und Kameruner – in Lampedusa an. Die «Ocean Viking» will in Kürze zu einem neuen Rettungseinsatz vor der Küste Libyens auslaufen. (sda/no)