Filmtipp: «God Exists, Her Name is Petrunya»

Teona Strugar Mitevska hat mit «God Exists, Her Name is Petrunya» eine bitterböse Satire über die patriarchalische Gesellschaft Nord-Mazedoniens geschaffen, die zugleich zum Lachen und zum Nachdenken anregt.

Nord-Mazedonien ist ein Ort zwischen zwei Welten: der postindustriellen Arbeitswelt und der traditionellen Welt der patriarchalen Kirche. In diesem Gefüge erhält die Gottesfrage eine ganz neue Brisanz. Ob Gott existiert, ist in dieser sozialen Misere vollkommen unklar. Aber wenn er existiert, dann wohl als eine junge Frau ohne Zukunftsaussichten. Petrunya hat einen Universitätsabschluss als Historikerin, aber keine feste Anstellung. Auf Drängen ihrer Mutter bewirbt sie sich in einer Nähfabrik. Auch dort will man sie nicht, obwohl sie sich bemüht. Das Bewerbungsgespräch ist erniedrigend. Doch dann platzt Petrunya in eine orthodoxe Prozession am nahgelegenen Fluss, wirft sich zum Fest der Heiligen drei Könige in die Fluten und findet das begehrte Kreuz. Mit diesem Glücksfang beginnen die Irrwege Gottes hienieden.

Die Komödie offenbart eine starke junge Frau, die von Zorica Nusheva mit grossartiger Wucht gespielt wird. Ihre Präsenz im Bild und ihre stoische Art des Widerspruchs gegen die Männerwelt geben Einblick in die mazedonische Gesellschaft. Die Regisseurin Teona Strugar Mitevska spielt mit ihrer Inszenierung an der Grenze zwischen Empathie und Ironie. Die religionskritische Sozialsatire hat eine Bissigkeit, die stellenweise weh tut. Doch wie sie die herrschaftlichen Spielregeln von Kirche, Polizei und Medienzirkus offenlegt, wirkt künstlerisch überzeugend und erfrischend. Das Eröffnungsbild von Petrunya im Schwimmbad bleibt unvergesslich.

«God Exists, Her Name is Petrunya» («Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija»), Mazedonien 2018, Regie: Teona Strugar Mitevska, Besetzung: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Simeon Moni Damevsk; Verleih: Trigon-Film

«God Exists, Her Name is Petrunya» gewann den Preis der Ökumenischen Jury von Berlin 2019 (Internationaler Wettbewerb).

Kinostart: 9. Mai