Filmtipp: «Closer to God»

Die Schweizer Regisseurin Annette Berger begleitet in «Closer to God» einen Sänger und einen Mystiker auf ihren spirituellen Reisen durch Indien und Pakistan. Der Film gibt einen faszinierenden Einblick in den Sufismus, einer im Westen nur wenig bekannten mystischen Strömung des Islams.

Der Meistersänger Ustaad Saami entstammt einer 700 Jahre alten Musikerdynastie. Mit seinen Söhnen reist er durch Pakistan, um dieses Erbe an spätere Generationen weiterzugeben. Aus seiner Perspektive stellt die Musik einen Zugang zu Gott dar, der den Menschen in ein umfassendes Gefühl des Friedens versetzen kann. Wegen des Versammlungsverbots in Pakistan reist Ustaad Saami durch den indischen Subkontinent, um beim gemeinsamen Musizieren sein Wissen und seine Spiritualität mit anderen zu teilen.

Auch der Sufi Gogha Sain ist auf Wanderschaft. Er pilgert zu Fuss von seinem Heimatort Islamabad nach Südpakistan. Seine lebenslange Pilgerschaft absolviert er mit schweren Metallringen an den Fussgelenken. Den irdischen Schmerz zu überwinden und sich ganz in den Dienst der anderen zu stellen, ist sein Weg, zu Gott zu finden.

Die beiden unterschiedlichen Männer verbindet die Erkenntnis, dass nur zu Gott finden kann, wer respekt- und rücksichtsvoll gegenüber seinen Mitmenschen handelt.

Annette Bergers Dokumentarfilm fokussiert auf eine Ausprägung des Islams, mit der wir wenig vertraut sind. «Closer to God» zeigt Bilder dieser Religion und eröffnet einen faszinierenden Einblick in den Sufismus, diese mystische und sanfte Strömung des Islams. Dies stellt in Zeiten der Terrormiliz Islamischer Staat und bisweilen polemisch geführter Debatten über Migration und Integration eine wichtige und bereichernde Ergänzung des gängigen Islambildes dar.

«Closer to God», Schweiz 2018, Regie: Annette Berger; Verleih: Mythenfilm

Seit 18. April in den Schweizer Kinos