Filmpreis der Zürcher Kirchen
Mit der Kamera die Trauer überwinden
Es bedürfe keiner grossen Produktion, um die Einzigartigkeit und zugleich die universelle Tiefe menschlicher Erfahrungen von Liebe, Tod und Trauer in bewegenden Bildern einzufangen, meinte die Jury des Filmpreises der Zürcher Kirchen. Das zeige der Film «Life after Siham» von Namir Abdel Messeeh.
Regisseur Messeeh hat nach dem Tod seiner Mutter mit der Arbeit an diesem Film begonnen. In einem Text für die Produktionsfirma schreibt Messeh, dass er sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen konnte. Er hatte angenommen, sie sei unsterblich. «Um mich
vor diesem Zusammenbruch zu schützen, hat der Filmemacher die Nachfolge des Sohnes angetreten», formuliert er.
Der Film über den Tod der Mutter und wie er das Leben ihrer Angehörigen verändert, beschliesst eine Trilogie: 2005 drehte er einen Film über seinen Vater («Toi, Waguih»), 2012 spielte Mutter Samih eine zentrale Rolle in «La Vierge, les Coptes et moi» (Die Jungfrau Maria, die Kopten und ich).
Der 51-jährige Messeeh stammt aus einer koptischen Familie, wuchs in Ägypten auf und ging nach Frankreich, um Regie zu studieren. Seiner Heimat und seiner Familie blieb er immer eng verbunden. Er schreibt: «Ich filme wie besessen. Meine Familie zu filmen war schon immer meine Art, ihnen <Ich liebe dich> zu sagen.»
«Hartnäckig und oft spitzbübisch» gelinge dem Filmemacher ein intimer Blick in die eigene Familiengeschichte. Die Jury sieht in dem Film «die universelle Reflexion über Familienbande und den Akt des Erinnerns, voller Wärme, Ehrlichkeit und mit ganz viel Gefühl».
In seinem zweiten langen Dokumentarfilm sammle er filmische Erinnerungen seiner Familie und fülle die Leerstellen mit Szenen aus dem klassischen ägyptischen Kino. «Life after Siham» sei ein Trauerfilm, der sich durch Leichtigkeit und Einfachheit, zugleich auch Tiefe und Experimentierfreudigkeit auszeichne, heisst es in einer Mitteilung der Zürcher Kirchen.
Der Preis der Katholischen und der Reformierten Kirche im Kanton Zürich wurde im Rahmen des Zürich Film Festivals vergeben. Eine von den Kirchen bestellte fünfköpfige Fachjury wählte den Preisträger aus 12 Dokumentar- oder Spielfilmen aus der Schweiz und dem europäischen Raum aus. Neben Jurypräsident und Synodalrat Tobias Grimbacher von der Katholischen Kirche und Johanna di Blasi, Mitarbeiterin des RefLab der reformierten Kirche, sind die jüdische Theologin und Kulturjournalistin Brigitta Rotach, Regisseurin Sophia Rubischung und der Medienwissenschaftler Baldassare Scolari Mitglieder der Fachjury.