Der Platz ist eng beim Eingang, während Projektleiter und Kirchenpfleger Hans-Hinrich Dölle die Neuerungen der Besucherlenkung im Fraumünster erklärt. Während er spricht, huschen unzählige Touristen vorbei oder stolzieren durch den Eingang, als wäre das Fraumünster ganz selbstverständlich für sie gemacht.
«Zum Teil haben sich Guides im Fraumünster überbrüllt, manchmal herrschte ein richtiges Rambazamba», erzählt Fraumünster-Pfarrer Niklaus Peter. Dölle ergänzt: «Es kam vor, dass Guides die Chagall-Fenster als Picasso-Fenster bezeichneten. Wir wollten wieder mehr Qualität und auch mehr Ruhe im Fraumünster.»
Tourguides: Schulbank drücken
Ein neues Besucherregime gilt daher ab 20. Juni. Ab dann müssen sich alle Gruppen via www.fraumuenster.ch anmelden und können nur noch während gewissen Zeitfenstern kommen. Zudem müssen die Tourguides vorher die Schulbank drücken, instruiert von Niklaus Peter (wenn sie ins Grossmünster wollen, führt Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist die Schulung durch).
Im Weiteren müssen die Führer mit einem vorgegebenen Audioguide arbeiten, den man für fünf Franken beim Eingang mieten kann (der Eintritt ist sonst kostenlos). Das Brüllen ist dann nicht mehr nötig, weil der Tourguide ins Gerät flüstern kann, und die Teilnehmer hören es via Audioguide. «Dieses System kommt erstmalig in der Schweiz zum Einsatz», sagt Dölle. Man habe sich vorher im Ausland informiert, wo es bei grossen Kirchen bereits funktioniert.
Auf dem Audioguide ist auch eine Kinderführung, worüber sich Niklaus Peter besonders freut: «Die Kindern sollen selig aus dieser Kirche heraus. Wir haben deshalb ein kleines Engelsuchspiel integriert, bei dem man ein Engelchen gewinnen kann.»
Am 20. Juni wird auch die unterirdische Krypta für das Publikum geöffnet. Dort sieht man nicht nur Mauerreste aus dem 9. Jahrhundert, sondern erfährt in einer kleinen, feinen Ausstellung Wesentliches über die Zürcher Reformation und die Geschichte des Fraumünsters.




