Vorschau auf die EKS-Synode
«Die EKS löst die Probleme der Kirchen nicht allein»
Herr Bugmann, Sie liessen sich als Zehnjähriger taufen, weil Ihnen als Kind der Religionsunterricht gefiel. Seit drei Jahren sind Sie Kirchenrat in Schwyz, zuvor waren Sie Synodaler im Schwyzer Kirchenparlament. Das ist für einen 26-Jährigen ein eher ungewöhnlicher Werdegang.
Als Jugendlicher hatte ich eine tolle Konfirmationszeit und wollte mich stärker kirchlich engagieren. Ich war Jugendgruppenleiter. Als dann ein Platz in der Synode frei wurde, kandidierte ich. Ich war gern Synodaler, und als im Kirchenrat der Posten als Finanzchef zu besetzen war, reizte mich das. Es war dann doch mehr Arbeit und es kamen andere Themen auf, als ich erwartet hätte – zum Beispiel Konflikte innerhalb einer Kirchgemeinde oder Diskussionen über die juristische Kirchensteuer. Dennoch fand ich die Aufgabe spannend, und sie ist ein sehr guter Ausgleich zu meinem Job als Anlagespezialist bei der Schwyzer Kantonalbank. Nun geht die Legislatur in Schwyz zu Ende und es entstand die Idee, mich in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) zu engagieren.
Was führte zum Entschluss, für den EKS-Rat zu kandidieren?
Anfang des Jahres besuchte EKS-Präsidentin Rita Famos unsere Kantonalkirche. Beiläufig erwähnte sie, dass im Rat jemand gesucht wird für die Finanzen. Ich überlegte mir lange und gut, ob das etwas für mich wäre und bin zum Schluss gekommen, dass ich gern tiefer in nationale Themen eintauchen möchte. Ich würde mein kirchliches Fachwissen intensivieren und ich suche gerne nach Lösungen für komplexe Herausforderungen.
Sie sind der einzige Kandidat.
Es ist interessant: Ich war immer in dieser Situation, auch bei der Wahl in die Synode und den Kirchenrat. Ich habe mich gefreut, in diese Gremien gewählt worden zu sein – aber im Hinterkopf war immer der Gedanke, dass es mir nur gelungen ist, weil ich die einzige verfügbare Person bin. Damit zu starten, ist nicht ganz einfach. Ich verstehe zudem, dass mir als 26-Jährigem Skepsis entgegengebracht wird. Ich habe Respekt vor der Aufgabe, weil die Kantonalkirchen vor unterschiedlichen Herausforderungen stehen und nicht alle dieselbe Sprache sprechen – ich frische mein Französisch auf. Mit meinem sachlichen Auftritt kann ich aber die meisten nach kurzer Zeit davon überzeugen, dass ich eine gute Wahl bin.
Der 26-jährige Sandro Bugmann hat die Handelsmittelschule absolviert und Betriebswirtschaft studiert. Von 2019 bis 2021 war Bugmann im Schwyzer Kirchenparlament engagiert, seit 2022 bis voraussichtlich im Sommer ist er als Kirchenrat für das Ressort Finanzen zuständig.
2024 wurde der Ausserschwyzer zudem Vorstandsmitglied bei «Mission 21», weiter ist er Redaktionskommissionsmitglied beim «Kirchenbote». Darüber hinaus betreibt Bugmann mit zwei weiteren Finanzexperten einen Podcast, in welchem Finanztrends eingeordnet werden. Bugmann wohnt in Wollerau (SZ) und spielt in seiner Freizeit leidenschaftlich Schach. (jow)
Angenommen, Ihnen gelingt die Wahl: Was würden Sie in der EKS verändern wollen?
Als Finanzvorstand einer kleinen Kantonalkirche hat mir bisher der Sparringpartner gefehlt, um mich über Finanzfragen auszutauschen. Ein Gremium für einen Austausch wäre sehr wichtig. Die EKS löst die Probleme der Kirchen nicht allein. Mir wäre es ein Anliegen, ein Gefäss zu schaffen, in dem die Kantonalkirchen zusammenkommen können und Finanzthemen debattiert werden. Zum Beispiel könnten wir über den Umgang mit Rechnungslegungsmodellen sprechen oder darüber, welche Auswirkungen es hat, wenn Steuererträge juristischer Personen wegfallen. Einige Kantone haben mehr Erfahrungen als andere. Es wäre wichtig, eine Gesprächsplattform zu schaffen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.
Sie haben es vorweggenommen: Die reformierten Kantonalkirchen müssen den Gürtel enger schnallen. An der EKS-Synode verlangt ein Vorstoss, die Mitgliederbeiträge um zehn Prozentpunkte zu senken. Wie gehen Sie mit einem potenziellen Sparauftrag um?
Falls die Motion angenommen wird, bleibt genügend Zeit, die Anpassungen vorzunehmen. In meinen Augen ist es wichtig, dass die EKS von den Mitgliedern einen klaren Auftrag bekommt, wo sie sparen muss und welche Angebote beibehalten werden sollen. In meinem Grundverständnis gibt die Synode der Exekutive vor, was sie zu machen hat. Der Impuls muss von der Synode kommen.
Die Synodalen sowie der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) treffen sich vom 15. bis zum 17. Juni 2025 zur Sommersynode in St. Gallen. Neben Wahlen stehen zudem verschiedene V0rstösse zu Finanzierungsfragen auf der Traktandenliste.
Eine Motion der Zürcher Kirchenratspräsidentin Esther Straub verlangt, dass die EKS ab 2028 die Mitgliederbeiträge um zehn Prozentpunkte reduziert. «Ausgehend vom Mitgliederrückgang in den Mitgliedkirchen von 2–3% pro Jahr ist (diese Reduktion, red. Anmerkung) angezeigt», heisst es im Vorstoss, der unter anderen auch von Lilian Bachmann (Synodalratspräsidentin Reformierte Kirche Kanton Luzern), Martina Tapernoux (Kirchenratspräsidentin beider Appenzell) sowie Erhard Jordi (Kirchenratspräsident Schwyz) unterzeichnet worden ist. Dem Rat bleibe ausreichend Zeit, die Sparmassnahmen zu planen und diese im Rahmen des Budgets 2028 der Synode vorzulegen.
Weiter werden die Synodalen über Grundlagen und Standards zum Schutz der persönlichen In-tegrität debattieren. Die Synode soll dem Rat den Auftrag erteilen, jährlich die Anzahl an Meldungen zu mutmasslichen Verletzungen von sexueller, spiritueller oder körperlicher Integrität in den Mitgliedkirchen zu erfassen und dazu einen Bericht zu erstellen. (jow)
Sie arbeiten als Anlageberater und sind als Kirchenrat Finanzvorsteher. Passt das gut zusammen?
Ich berate Kunden, versuche die beste Lösung zu finden und präsentiere diese – das ist bei beiden Aufgaben ähnlich. Die Inhalte unterscheiden sich, die Welt der Finanzprodukte ist eine andere als die der Pfarranstellungen oder der Seelsorge. Als Mitarbeiter der Kantonalbank darf ich gewisse Aktien aus ethischen Gründen nicht empfehlen, was absolut richtig ist. Wir achten auf unser Reputationsrisiko. Bisher bin ich als Anlageberater noch nie mit ethisch-moralischen Fragestellungen konfrontiert worden, die ich mit meinem kirchlichen Engagement nicht vereinbaren konnte.
Sie arbeiten beinahe Vollzeit, haben noch einen Podcast und haben weitere ehrenamtliche Engagements. Woher nehmen Sie sich die Zeit für den EKS-Rat?
Werde ich gewählt, trete ich vorzeitig per Ende Juni aus dem Schwyzer Kirchenrat zurück, da ich kein Doppelmandat haben möchte. Mein Arbeitgeber unterstützt mein nebenberufliches Engagement. Und ich bin gut organisiert. Ich bin in der glücklichen Lage, dass mich mein Beruf erfüllt und mir meine kirchlichen Ämter Freude machen – dauert ein Arbeitstag ein bisschen länger, stört mich das nicht. Mein Umfeld versteht, dass ich nicht mehr jeden Samstagabend ausgehen möchte. Ich habe somit immer noch Zeit zur Erholung.
Ob sich kirchliche Organisationen politisch äussern sollten oder nicht, ist umstritten. Wo sehen Sie als künftiger EKS-Rat rote Linien?
Der grosse Vorteil der reformierten Kirche in der Schweiz ist, dass die Kantonalkirchen und die Gemeinden eine gewisse Autonomie haben. Ich finde es deshalb wichtig, dass sich der EKS-Rat nicht zu weit aus Fenster lehnt, was nationale Beschlüsse betrifft. Es ist die Aufgabe der Synode, die Entscheide zu fällen – umgesetzt wird Kirchenpolitik auf der kantonalen Ebene.