Krieg in der Ukraine
Europäische Kirchen kritisieren Russisch-Orthodoxe Kriegsrhetorik
An der Konferenz europäischer Kirchen (CEC) in Helsinki haben sich rund 90 Teilnehmende klar gegen die sogenannte «Russische Welt»-Ideologie und ihre religiöse Begründung durch die Russisch-Orthodoxe Kirche positioniert.
Die europäischen Kirchenvertreter sehen in der Verquickung von Nationalismus, Krieg und Religion eine fundamentale Gefährdung von Menschenwürde, Frieden und kirchlicher Glaubwürdigkeit. In der verabschiedeten Stellungnahme heisst es: «Die ‘Russische Welt’-Ideologie leugnet die nationale Identität der Ukrainerinnen und Ukrainer sowie anderer Nachbarvölker und ihr Recht auf Selbstbestimmung.»
Kritisch äussern sich die Kirchen zur Rolle des Moskauer Patriarchats: «Die Russisch-Orthodoxe Kirche bietet weiterhin quasi-theologische und institutionelle Unterstützung für den Überfall auf die Ukraine, unterdrückt abweichende Stimmen innerhalb ihrer Geistlichkeit und rechtfertigt Russlands Handeln mit sogenannten ‘traditionellen Werten’.»
Der Missbrauch religiöser Sprache zur Rechtfertigung von Gewalt wird deutlich zurückgewiesen. Besonders kritisch sehen die Kirchen Aussagen, die Krieg als «heilig» oder den Soldatentod als sündenvergebend darstellen. Solche Lehren werden in der Erklärung als unvereinbar mit dem Evangelium bezeichnet. «Der Mensch steht in unantastbarer Würde vor Gott», heisst es weiter. Diese theologische Grundlage dürfe durch keine politische Ideologie vereinnahmt werden.
Die Erklärung ruft dazu auf, christliche Botschaft und kirchliche Autorität nicht für nationale oder imperiale Ziele zu instrumentalisieren. Stattdessen sollen Kirchen Schutzräume für Geflüchtete bieten, demokratische Werte stärken, Überlebensberichte dokumentieren und zur Aufarbeitung religiös begründeter Gewalt beitragen.
Zugleich wird auch die Verantwortung westlicher Kirchen benannt, ihre eigenen historischen Verstrickungen in Machtpolitik zu reflektieren und zur theologischen Aufklärung beizutragen. Die Stellungnahme ist Teil der Initiative «Wege zum Frieden» und versteht sich als Beitrag zu Gerechtigkeit, Versöhnung und der Stärkung des Völkerrechts. (gab)