Fusion Kirchgemeinde Bern

«Es wird keine Zitterpartie geben»

Mit Bern-Bethlehem hat bereits die zweite Gemeinde der Fusion zu einer Stadtberner Grosskirchgemeinde eine Abfuhr erteilt. Teilweise seien unbegründete Ängste geschürt worden, sagt der Präsident des Steuergremiums, Hans von Rütte. Für den weiteren Abstimmungsverlauf bleibt er zuversichtlich.
Die Berner Kirchgemeinden sollen zu einer einzigen fusionieren – doch es gibt Widerstand. (Bild: Peter Schneider / Keystone)

Herr von Rütte, nach der Kirchgemeinde Paulus hat nun auch Bern-Bethlehem der Fusion eine Absage erteilt. Hat Sie das überrascht?
Das Nein in der Kirchgemeinde Paulus hat mich nicht überrascht, dort war die Gegnerschaft schon im Vorfeld gross. Auch das Ergebnis in Bern-Bethlehem kam nicht völlig unerwartet, aber mit einer so deutlichen Ablehnung habe ich nicht gerechnet.

Wie erklären Sie sich dieses deutliche Nein?
Die Einschätzungen zur Fusion gehen in den einzelnen Kirchgemeinden extrem auseinander. Zwei Gemeinden haben sehr deutlich Nein gesagt, während sechs andere ebenso deutlich zugestimmt haben. In den ablehnenden Gemeinden wird die Fusion offenbar als Bedrohung wahrgenommen, man hat Angst vor einer Zentralisierung. Ich halte das für eine verzerrte Wahrnehmung.

«Im Abstimmungskampf wurde das Gebot der Ausgewogenheit teilweise arg strapaziert.»
Hans von Rütte

Was steckt hinter diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen?
Ein wesentlicher Punkt war die Liegenschaftsfrage: Die ablehnenden Gemeinden haben Angst, dass man ihnen ihre Quartierkirchen wegnimmt. Das ist jedoch sachlich unbegründet – die Fusionsvorlage enthält dazu keine Aussagen, und das Steuerungsgremium hätte dazu auch keine Entscheidungsbefugnis gehabt. Leider wurde in diesen Gemeinden mit einer Kampagne Stimmung gemacht, die sehr negativ war: Die Botschaft lautete sinngemäss: «Wenn die Fusion kommt, können wir nur verlieren».

Auf der Webseite der Kirchgemeinde Bern-Bethlehem etwa wurde aktiv zur Ablehnung aufgerufen. Ist das aus Ihrer Sicht legitim?
Grundsätzlich ist es Aufgabe eines jeden Kirchgemeinderats, eine begründete Abstimmungsempfehlung abzugeben. Er muss aber zugleich darauf achten, dass die Stimmbürger sachlich und ausgewogen informiert werden. Im Abstimmungskampf wurde dieses Gebot der Ausgewogenheit teilweise arg strapaziert und vereinzelt schlicht falsch informiert. Es wurden düstere Szenarien von der Zukunft nach einer Fusion gezeichnet.

«Ich rechne mit einer Zustimmung in den weiteren Abstimmungen.»
Hans von Rütte

Vier weitere Abstimmungen stehen noch aus. Wird die Fusion jetzt zur Zitterpartie?
Nein, das glaube ich nicht. Als Nächstes stimmen die Kirchgemeinden Matthäus-Bremgarten, Bümpliz und die Paroisse française ab. Ich rechne mit einer Zustimmung in allen Fällen. In der Kirchgemeinde Bümpliz gibt es zwar auch Gegenstimmen, aber ein Nein würde mich überraschen.

Warum wurden die Abstimmungen nicht alle am gleichen Wochenende durchgeführt?
Das war ursprünglich die Idee. Verschiedene Faktoren haben diesen Zeitplan aber durcheinandergebracht. Unter anderem haben in Bern-Nord zwei Kirchgemeinden fusioniert. Für Verwirrung sorgte zudem, dass vielen Stimmberechtigten nicht klar war, dass sie zweimal abstimmen sollen – einmal in ihrer Quartierkirchgemeinde und einmal an der Urnenabstimmung der Gesamtkirchgemeinde. Diese Probleme zeigen, wie schwierig unsere heutige Doppelstruktur zu vermitteln ist.

Wie geht es für die Kirchgemeinden weiter, die bei einem Zusammenschluss nicht mitmachen wollen?
Wenn die Fusion zustande kommt, werden diese Kirchgemeinden per 1. Januar 2027 eigenständig. Bis dahin müssen sie eine eigene Verwaltung aufbauen, ein Budget und einen Finanzplan aufstellen und die Steuerhoheit übernehmen. Zudem muss geklärt werden, welche Vermögenswerte sie von der Gesamtkirchgemeinde übernehmen können. Das alles ist anspruchsvoll. Insbesondere um die Kirchgemeinde Bern-Bethlehem mache ich mir Sorgen, weil es dort zuletzt wenig personelle Kontinuität gab.

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