Es rumort im ZIID

Das Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID) will sich neu ausrichten. Im Zuge dessen wurde zwei Mitarbeiterinnen gekündigt; eine weitere Mitarbeiterin sowie ein Stiftungsrat gehen freiwillig.


Schon der Jahresbericht 2017 liess aufhorchen: «Mittel- bis langfristig ist ein Defizit in dieser Höhe nicht tragbar», hiess es darin. Tatsächlich wies das Zürcher Institut für interreligiösen Dialog (ZIID) einen Verlust von rund 435’200 Franken in der Betriebsrechnung aus. Konnte das Institut damals noch Mittel aus einem Liegenschaftsverkauf schöpfen, musste es ein Jahr später auf seine Vermögensreserven zurückgreifen. Auch 2018 hatte die Rechnung mit einem Verlust von über 400’000 Franken geschlossen.

Nun hat offenbar der Stiftungsrat reagiert. Wie das Portal kath.ch am 25. Januar berichtet, werden die bisherigen Fachleitungen Judentum, Christentum und Islam aufgehoben. Stattdessen werden «Religion im Dialog» und «Religion und Gesellschaft» als neue Arbeitsbereiche geschaffen. Zudem wird das Kursangebot leicht zurückgefahren.

Zwei Mitarbeiterinnen müssen gehen

Verbunden mit diesen Schritten sind demnach auch Einschnitte beim Personal. So muss etwa die Fachleiterin für das Judentum, Annette Böckler, gehen, wie kath.ch berichtet. Daneben sei einer weiteren Mitarbeiterin gekündigt worden, eine Sekretärin verlasse das ZIID freiwillig, ebenso ein Stiftungsrat.

«Wir stellen uns den Herausforderungen und haben Hoffnung in die Zukunft, sonst hätten wir das ZIID geordnet zugemacht», wird Gerold Lauber, Stiftungsratspräsident und Zürcher Alt-Stadtrat, auf dem Portal zitiert. «Aber als Stiftungsrat haben wir die Verantwortung, das strukturelle Defizit zu beseitigen. Da kommen wir am Personal nicht vorbei.»

Lauber selbst ist erst seit September 2018 im Amt. Die Geschäftsleiterin Andrea König trat ihre Stelle ein Jahr vor ihm an. Im Gespräch mit kath.ch sagte Lauber, sie hätten «ein schwieriges Vermächtnis angetroffen».

Stadt kürzte Beiträge

Das ZIID ist 2015 aus dem Zürcher Lehrhaus hervorgegangen. Es sieht sich als eine dem Dialog verpflichtete Bildungsinstitution, wo sich unterschiedliche Menschen mit jüdischer, christlicher und islamischer Kultur und Religion auseinandersetzen und so «von- und miteinander lernen».

Das Institut wird von der reformierten sowie der katholischen Landeskirche unterstützt. Ebenfalls einen Beitrag bezahlt die Stadt Zürich; die Summe fiel 2018 und 2019 jedoch um je 40’000 Franken tiefer aus als in früheren Jahren. Die Kürzung erwische das ZIID nach vielen Wechseln in einem ungünstigen Moment, hatte Geschäftsleiterin Andrea König damals festgehalten. (vbu)