Raubgut

Erben streiten mit Stiftung um Welfenschatz

Um einen der bedeutendsten Kirchenschätze des Mittelalters wird gerungen. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz soll die Stücke den Erben jüdischer Kunsthändler zurückgeben.
Das Kuppelreliquiar stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist Teil des Welfenschatzes. (Bild: Stiftung Preussischer Kulturbesitz)

Gold, Elfenbein und Edelsteine an jedem Objekt – im Kunstgewerbemuseum Berlin ist der legendäre Welfenschatz ausgestellt und man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Es handelt sich bei den Stücken um einen der bedeutendsten Kirchenschätze des Mittelalters. Und um den Gegenstand eines jahrelangen Streits.

Bei dem Streit geht es um die Frage, ob der 1929 von vier jüdischen Kunsthändlern und einem Konsortium erworbene Schatz 1935 wegen der Verfolgung unter den Nazis zwangsweise verkauft wurde. Die Stiftung sieht bislang keine Grundlage für eine Rückgabe. Seit 2008 gab es dazu mehrere auch vor Gericht ausgetragene Verfahren.

Aktuell melden die Nachkommen der ehemaligen Besitzer Ansprüche auf den Welfenschatz an. Die Beratende Kommission NS-Raubgut prüft diese. Nun hat sich auch die Politik dazu geäussert. Die deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hofft auf eine zügige Bearbeitung durch die zuständigen Stellen, wie ein Sprecher der Ministerin mitteilt. Roth gehe davon aus, dass die Beteiligten auch angesichts neuer offener Fragen bald zu einer Klärung kommen.

Der Vorsitzende der Beratenden Kommission und frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts hatte zuvor erklärt, die Preussen-Stiftung sei verpflichtet, einer Anrufung der Kommission durch die Nachkommen zuzustimmen. Die Stiftung selbst hatte mit Blick auf neuerliche Ansprüche von Erben mitgeteilt, zunächst deren Berechtigung klären zu wollen.

Der Welfenschatz besteht aus Objekten, die zwischen dem 11.  und 15. Jahrhundert hergestellt wurden. Er stammt aus Braunschweig und gehörte ab dem 19. Jahrhundert der hochadeligen Familie der Welfen. Deshalb trägt er diesen Namen. Der aktuelle Wert des Schatzes ist Gegenstand der laufenden Verhandlungen. Während die Stiftung Preussischer Kulturbesitz einen Wert von 100 Millionen Euro annimmt, gehen die Erben von 260 Millionen Euro aus. (epd/ dst)

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