«Die Solidarität ist riesig»
Die Not der Menschen in der Ukraine hat auch in den Schweizer reformierten Kirchen eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Mehrere Kantonalkirchen haben für die Heks-Nothilfe gespendet, in vielen Kirchgemeinden werden Hilfsgüter und Kleider gesammelt (siehe Kasten). Laut dem UNO-Flüchtlingswerk UNHCR hat der Krieg schon über eine Million Menschen aus dem Land vertrieben.
Hilfe für die Flüchtenden leistet auch die Protestantische Solidarität Schaffhausen. Der Verein unterstützt reformierte Kirchgemeinden in Ostungarn und Siebenbürgen dabei, ukrainische Flüchtlinge mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Erste Transporte mit Matratzen, Bettwäsche, Hygieneprodukten, Stromaggregaten und Nahrungsmitteln sind schon Ende Februar erfolgt, wie es in einer Mitteilung vom 02. März heisst.
Karin Baumgartner, Pfarrerin und Vorstandsmitglied im Verein, steht seit Tagen in engem Austausch mir den Kirchgemeinden in Ungarn und Siebenbürgen. Die Hilfe des Vereins sei derzeit vor allem finanzieller Natur, sagt sie auf Anfrage von ref.ch. «Wenn uns die Gemeinden beispielsweise mitteilen, sie bräuchten Mehl zum Brotbacken, dann finanzieren wir das.»
«Die Menschen sind komplett erschöpft»
Laut Baumgartner ist die Not der Flüchtenden gross. Die meisten seien tagelang unterwegs gewesen, ohne ausreichend Essen und genügend Schlaf. «Die Menschen sind komplett erschöpft, manche sind traumatisiert und benötigen seelsorgerliche Begleitung» , sagt sie.
Der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Schaffhausen und der Kirchgemeindeverband der Stadt Schaffhausen sprechen gemeinsam 10’000 Franken für Menschen aus der Ukraine. Das Geld geht an die «Protestantische Solidarität Schaffhausen».
Auch die Evangelisch-reformierten Landeskirchen der Kantone Luzern und Aargau sprechen je 10’000 Franken. Sie unterstützen damit die Nothilfe des Heks. Beide Kirchen rufen auch zu Kollekten und Gebeten für die Ukraine auf. (mos)
Laufend treffen neue Flüchtlinge an der ukrainisch-ungarischen und der ukrainisch-siebenbürgischen Grenze ein. Dort werden sie von den Mitarbeitenden der Kirchgemeinden und Ehrenamtlichen des Hilfswerks der ungarischen reformierten Kirche empfangen und mit Lebensmittelpaketen versorgt. Viele kämen danach in Schulen, Turnhallen oder bei Familien in den Grenzdörfern unter, so Baumgartner. «Der Solidarität der lokalen Bevölkerung ist riesig, und das, obwohl sie selbst nicht viel besitzt.»
Daneben organisieren die Kirchgemeinden Materialtransporte zu den Flüchtlingen in der Westukraine. Baumgartner ist beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Menschen. «Manche Privatpersonen, die an die Sammelstellen kommen, haben ihr ganzes Auto mit Lebensmitteln und Hilfsgütern beladen.»
Nur eine Zwischenstation
Für die Flüchtenden seien die Dörfer an der Grenze allerdings nur eine Zwischenstation. Fast alle wollten weiter zu ihren Familien und Verwandten im Landesinnern oder noch weiter in den Westen. «In den Kirchgemeinden bekommen sie eine Verschnaufpause und ein kleines Stück geregeltes Leben zurück», sagt Baumgartner.
Um die Unterstützung sicherzustellen, hat der Verein einen Spendenaufruf und Benefizkonzerte organisiert. Auch in der Schweiz sei der Wunsch zu helfen gross, stellt Baumgartner fest. Wichtig sei aber auch eine langfristige Hilfe. «Auch wenn der Krieg zu Ende ist, werden die Ukrainerinnen und Ukrainer noch lange an den Folgen leiden und unsere Solidarität brauchen», sagt sie.