«Die Gellertkirche ist ein Fall für eine externe Untersuchung»

Die Mobbing-Vorwürfe gegen die Basler Gellertkirche sind nach wie vor ungeklärt. Einen Anlass, die Fälle von einer externen Stelle untersuchen zu lassen, sehen weder Kantonalkirche noch Gellertkirche.

Warten, bis die dunklen Wolken vorüberziehen? Basler Gellertkirche.
Warten, bis die dunklen Wolken vorüberziehen? Basler Gellertkirche. (Bild: Marianne Weymann)

Ein Artikel der Tageswoche löste vor einigen Wochen ein grosses Echo aus. Der Vorwurf: In der Basler Gellertkirche, die Teil der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt ist, soll es wiederholt zu Ausgrenzungen und Mobbing gegen Andersdenkende gekommen sein. So sollen Besucherinnen der Kirche aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder abweichender Moralvorstellungen unter Druck gesetzt worden sein. Auf Seiten der Landeskirche versicherte man gegenüber ref.ch, den Vorwürfen nachzugehen. Die Haltung sei klar: «Keine Toleranz der Intoleranz.»

Kantonalkirche bleibt passiv

Allzu viel ist in der Zwischenzeit aber nicht passiert, wie eine neue Anfrage bei der Kantonalkirche ergibt. Matthias Zehnder, Kommunikationsbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche Basel Stadt, versichert zwar, dass man mit der Gellertkirche im Kontakt sei. Auch nehme man die Vorwürfe ernst und halte die Augen offen. Zugleich macht Zehnder aber auch deutlich, dass man als Kantonalkirche an der Glaubens- und Meinungsfreiheit festhalte. «Es ist klar, dass die Gottesdienste in der Gellertkirche nicht allen entsprechen, aber für diese Leute gibt es in Basel eine ganze Reihe andersgearteter Gottesdienste», sagt Zehnder.

Neuer Umgang mit Andersdenkenden

Aktiver geht man das Problem bei der Gellertkirche selbst an. Sozialdiakon Christian Peyer betont, ­dass man die Vorwürfe im Angestelltenteam eingehend ­diskutiert habe. Auch das Gespräch mit den Leitungsgremien der Kirchgemeinde habe man gesucht. Zudem sei ein ­Wochenende für die Leiter der Gellert­kirche geplant: «Dort wollen wir mit den über hundert Freiwilligen über Themen wie den Umgang mit Anders­denkenden sprechen.»

Weder Kantonalkirche noch Gellert­kirche haben bislang erwogen, die Vorfälle von einer externen Stelle untersuchen zu lassen. Matthias Zehnder betont, man sehe derzeit keinerlei Anlass dafür: «Für uns sind die Medienberichte bis jetzt ungerechtfertigte Angriffe auf eine aktive Basler Gemeinde, denen es entgegen­zutreten gilt.»

«Nur externe Stelle kann Vertrauen wiederherstellen»

Anders sieht das Georg Schmid, Religionsexperte bei der Evangelischen Informationsstelle Relinfo: «Wenn eine ­Untersuchung etwas bringen soll, muss sie von einer externen Stelle durchgeführt werden. Das ist insbesondere wichtig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Medien wiederherzustellen.» In vergleichbaren Fällen sei man so vorgegangen, dass ad hoc ein Team von externen Experten gebildet worden sei. Dieses habe dann eine Befragung der Mitarbeitenden vorgenommen. «Meist entsteht dann ein differenziertes Bild, indem sich manche Urteile bestätigen und andere nicht», sagt Schmid.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.