«Unsere Haltung ist klar: Keine Toleranz der Intoleranz»

Die «Tageswoche» erhebt massive Vorwürfe gegen die Basler Gellertkirche. Diese soll Mitglieder unter Druck gesetzt und ausgegrenzt haben. Die Kirchenleitung will den Anschuldigungen nun nachgehen.

Bis vor Kurzem die Vorzeigekirche der Reformierten, doch nun werden Vorwürfe laut: Die Gellertkirche in Basel. (Bild: Andy Moser/cc by-sa 3.0)

Die Basler Gellertkirche präsentiert sich auf ihrer Webseite offen und tolerant: «Die Gellertkirche hat die Gesellschaft im Blick und will immer auch Kirche für Andere sein», heisst es in ihrem Leitbild. Nun aber wird Kritik an der Kirche laut. Die Wochenzeitung «Tageswoche» wirft ihr vor, Jugendliche mit einer rigiden Sexualmoral unter Druck gesetzt zu haben. Zudem sollen Homosexuelle wiederholt ausgegrenzt worden sein.

Sexualmoral als Druckmittel

In dem am 25. Januar erschienenen Artikel mit dem Titel «Sektengroove in der Kirche» berichten Besucher der Kirche anonym von Vereinnahmung und Diskriminierung in der Gemeinde. So sagt eine junge Frau, sie sei von einer Jugendarbeiterin unter Druck gesetzt worden, auf Sex vor der Ehe zu verzichten. Nachdem sie trotzdem mit ihrem Freund zusammengezogen sei, hätten sich die Mitarbeitenden der Kirche von ihr distanziert.

Andere Besucher berichten gegenüber der Zeitung, Schwulen und Lesben sei mitgeteilt worden, sie seien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von bösen Kräften besessen.

Kirchenleitung will Gespräch suchen

Der Artikel in der «Tageswoche» hat ein grosses Echo ausgelöst. Auf Seiten der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt versichert man, den Vorwürfen nachzugehen. Matthias Zehnder, Kommunikationsbeauftragter der Basler Kirche, betont jedoch, dass es schwierig sei, auf anonyme Vorwürfe zu reagieren. «Solange sich die Betroffenen nicht direkt bei uns melden, können wir nicht allzu viel machen», so Zehnder.

Trotzdem suche die Kirchenleitung nun das Gespräch mit der Gemeinde. «Unsere Haltung ist klar: Keine Toleranz der Intoleranz. Zugleich halten wir aber auch an unserem Grundsatz fest, dass es unter dem Dach der Landeskirche eine grosse Diversität gibt.» Ähnlich argumentierte Kirchenratspräsident Lukas Kundert im Interview mit der «Tageswoche». «Wir sind als Kirche keine Einheit, wir lassen ganz viele Bewegungen zu», sagte er. Für Besucher, die sich in der Gellertkirche nicht wohlfühlen, gebe es in Basel genügend Ausweichmöglichkeiten.

Reformierte Vorzeigekirche

Besonders brisant an den Vorwürfen ist, dass die Gellertkirche zwar für ihre evangelikale Ausrichtung bekannt ist, aber zur Evangelisch-reformierten Landeskirche Basel-Stadt gehört. Innerhalb der reformierten Kirche gilt sie sogar als Vorzeigekirche: Entgegen dem Trend rückläufiger Mitgliederzahlen zieht die Gellertkirche seit Jahren immer mehr Besucher an. Noch Mitte Januar titelte die «Tageswoche» deshalb einen Bericht über einen Gottesdienstbesuch mit den Worten: «Kirche in der Krise? Die Gellertkirche ist für die Reformierten ein Segen». Daraufhin meldeten sich mehrere ehemalige Mitglieder bei der Zeitung.

Die Gellertkirche war am Montag und Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.