Die Frau mit Bart
Am Sonntag ist in Biel das 19. Festival du Film Français d’Helvétie zu Ende gegangen. Im Rahmen der fünftägigen Veranstaltung hat die kirchliche Filmorganisation Interfilm Schweiz den mit 2500 Franken ausgestatteten Prix Célestine vergeben. Er geht dieses Jahr an «Rosalie» von Stéphanie Di Giusto.
Der Film spielt in Frankreich, im Jahr 1870. Die junge Rosalie heiratet den von Schulden getriebenen Cafébesitzer Abel. Was Abel nicht weiss: Seit ihrer Geburt sind der Körper und das Gesicht von Rosalie mit Haaren bedeckt. Aus Angst vor Ablehnung rasiert sich die junge Frau. Doch nach der Heirat soll Schluss damit sein. Rosalie will zu ihrem Haarwuchs stehen – auch wenn sie dabei gegen die von der Gesellschaft vorgegebenen Geschlechterrollen ankämpfen muss.
«Es ist eine Geschichte, die anregt, über Genderfragen und gesellschaftliche Ausgrenzung nachzudenken», schreibt die Jury von Interfilm Schweiz am Montag in einer Mitteilung. Sie lobt «die eindrückliche Bildsprache und die durchdachte Symbolik des Films, der gleichzeitig fasziniert und befremdet».
Besonders begeistert war die Jury von den Leistungen der Hauptdarstellerin Nadia Treszkiewicz und der Regisseurin Stéphanie Di Giusto. Während Treszkiewicz durch die brillante Darstellung der Rosalie überzeuge, gelinge es Di Giusto, den in der Geschichte angelegten Gegensatz von Anziehung und Abstossung bildlich umzusetzen – etwa durch Gegensätze wie Opulenz und Kargheit oder Natur und Kultur. (hz)