Corona-Pandemie setzt Waldensern zu

Die Waldenserkirche in Italien ist bekannt für ihr soziales Engagement und ihren humanitären Einsatz für Flüchtlinge. Nun ist sie in der Corona-Krise selbst in Not geraten. Weil die Einnahmen aus den Kollekten in den Gottesdiensten fehlen, droht ein Loch in der Kasse.

Rund 150 Waldensergemeinden gibt es in Italien. Einige von ihnen geraten nun aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Bedrängnis. Bild: Waldenserkirche in Mailand. (Bild: Wikimedia Commons)

Die italienische Regierung hat am 26. April erstmals Lockerungen der Corona-Massnahmen angekündigt. Demnach sollen ab 4. Mai Industrie und Gewerbe wieder hochgefahren werden. Auch sollen die Ausgangsbeschränkungen teilweise aufgehoben werden.

Keine Lockerungen sind vorläufig für die Kirchen vorgesehen. So bleiben öffentliche Gottesdienste in ganz Italien bis auf weiteres verboten. Unmittelbar betroffen davon ist die Waldenserkirche. In einem Aufruf zur Unterstützung hat sie sich nun an das Waldenserkomitee in der deutschen Schweiz gewandt. Für die Kirche können die Krise «sehr ernste Konsequenzen haben», heisst es in dem Schreiben.

Schmerzhafter Einbruch bei den Einnahmen

Sorgen machen sich die Waldenser insbesondere um ihre finanzielle Situation. Da seit Anfang März keine Gottesdienste mehr stattfinden, fehlen nun die Einnahmen aus den Kollekten. Auch die freiwilligen Mitgliederbeiträge werden üblicherweise in den Gottesdiensten eingesammelt. Mit ihnen finanziert die Kirche die Löhne und Renten von Pfarrerinnen und Diakonen.

Wie gross das Loch in der Kasse ist, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Dorothea Müller, Pfarrerin in Neapel und Mitglied im Leitungsgremium der Waldenserkirche, geht von einem schmerzhaften Einschnitt aus. «Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr mindestens 17 Prozent weniger Mitgliederbeiträge einnehmen», sagt sie gegenüber ref.ch. Zudem sei damit zu rechnen, dass auch die Mieteinnahmen aus den kircheneigenen Liegenschaften zurückgehen. «Die Wirtschaftskrise durch Corona wird sich mit Sicherheit auf die Höhe und Regelmässigkeit der Mietzahlungen auswirken», so Müller.

Krise als Härtetest

Mit rund 20’000 Mitgliedern ist die Waldenserkirche die grösste evangelische Kirche Italiens. Aus der staatlichen Kultussteuer «otto per mille» verfügt sie über beträchtliche Einnahmen. In Italien bestimmen die Steuerzahler selbst, welcher Religionsgemeinschaft sie ihre Kultussteuer zuwenden – rund 500’000 Italienerinnen und Italiener entscheiden sich jedes Jahr für die Waldenser. Diese Gelder sind jedoch zweckgebunden. «Wir dürfen damit nur unsere sozialen und kulturellen Projekte finanzieren, nicht aber die Löhne unseres Personals», sagt Müller.

Im Augenblick sei die Kirche noch nicht am Engpass angelangt, sagt sie. «Viele Gemeinden haben bereits einen Teil ihrer Mitgliederbeiträge und einige sogar den gesamten Beitrag überwiesen». Trotzdem könne die Wirtschaftskrise im Zuge der Corona-Pandemie für die Kirche zum Härtetest werden.

Vielfältiges Engagement

Die Waldenserkirche in Italien engagiert sich seit Jahren in zahlreichen sozialen und diakonischen Projekten. Unter anderem beteiligte sie sich an der Schaffung von humanitären Korridoren für Flüchtlinge. Daneben unterhält sie Altersheime, Beratungsstellen, Schulen und Begegnungszentren für Asylsuchende. Massgeblich unterstützt wird sie dabei vom Waldenserkomitee in der deutschen Schweiz, das 1978 von den reformierten Kantonalkirchen der Deutschschweiz gegründet wurde.

Zum Aufruf zur Unterstützung der Waldenserkirche