«Corona-Bibel» wird online publiziert

Über 1000 Bibelkapitel haben Freiwillige während des Lockdowns abgeschrieben und dazu ihre eigenen Gedanken verfasst. Nun kann die «Corona-Bibel» online gelesen werden.

Mal mit bunten Zeichnungen angereichert, mal kalligrafisch, mal in einfacher Handschrift. Wer auf der Internetseite coronabibel.ch stöbert, der findet 3800 kreativ gestaltete Seiten von Bibeltexten. Insgesamt haben 900 Menschen 1189 Kapitel des Alten und Neuen Testaments abgeschrieben und dazu ihre eigenen Gedanken verfasst.

Die Idee dahinter stammt von Uwe Habenicht, Pfarrer in der Reformierten Kirchgemeinde Straubenzell in St. Gallen, sowie von Roman Rieger, Leiter des Cityteams der katholischen Kirche im Lebensraum St. Gallen. Als der Bundesrat im März den Lockdown verhängte, überlegten die beiden, wie man die Menschen aus der momentanen Vereinzelung herausholen kann. Mit der gemeinsamen Abschrift der Bibel sollte das Gemeinsamkeitsgefühl gestärkt werden. Seit heute ist die sogenannte «Corona-Bibel» online. «Ich bin vom Ergebnis begeistert», sagt Uwe Habenicht gegenüber ref.ch. Bei den meisten spüre man einen grossen Respekt gegenüber den heiligen Texten. «Das hat uns sehr gerührt.»

Von gläubigen Christen bis zu Atheisten

So vielfältig die Gestaltung der Texte sind so weit sei auch die Bandbreite der Verfasser: Von 6-Jährigen bis zu Seniorinnen, die den Stift nur noch knapp halten konnten. Von gläubigen Christen bis zu Atheisten. «Es hat sich gezeigt, dass man ganz unterschiedliche Menschen mit Religion erreichen kann, wenn man ihnen grossen Freiraum beim Zugang lässt», sagt Habenicht, der diesen Ansatz in seinem Buch «Freestyle Religion» genauer erläutert.

Nicht nur online wird die Corona-Bibel erscheinen, sondern auch gedruckt in Form von sieben Bänden. Diese sollen bei einer Feier der St. Galler Stiftsbibliothek übergeben werden. Dann, wenn dies die Corona-Lage wieder zulässt. (bat).