Politik

Christen in Taiwan haben Sorgen wegen Trump

Die selbstverwaltete Insel Taiwan ist konstant bedroht, von China eingenommen zu werden. Ein Treffen von US-Präsident Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping vergrössert die Sorgen der Bevölkerung.
Das Treffen von US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping im April haben die Menschen in Taiwan mitverfolgt. Die USA sind Taiwans Schutzmacht, während China die Insel als Teil seines Staatsgebiets betrachtet, den es irgendwann annektieren wird. Im Bild ein Laden mit gebrauchten Fernsehern in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh. (Bild: Ritchie B. Tongo/ Keystone)
Das Wichtigste in Kürze

Warum wächst in Taiwan die Sorge vor einem chinesischen Angriff?
Die Spannungen zwischen Taiwan und China nehmen zu, während die USA unter Präsident Donald Trump ihre Unterstützung für Taiwan zunehmend als Verhandlungsmasse gegenüber Peking darstellen.

Wie erleben taiwanische Christinnen und Christen die aktuelle Lage?
Viele Taiwanerinnen und Taiwaner glauben weiterhin, dass China keinen Angriff wagen wird, unter anderem wegen der globalen Bedeutung Taiwans für die Halbleiter- und KI-Industrie. Dennoch gibt es Menschen, die aus Angst vor einer Eskalation ausgewandert sind oder Vorsorge durch Immobilienkäufe im Ausland getroffen haben.

Wie reagieren protestantische Kirchen in Taipeh auf die Unsicherheit?
Einige Gemeinden beginnen, Krisenvorsorge zu planen, während Pastoren ihre Mitglieder seelsorgerlich begleiten und zugleich auf christliche Hoffnung und Vertrauen auf Gott verweisen.

Taiwan ist eine Insel im Chinesischen Meer. Sie ist fast so gross wie die Schweiz und es leben rund 24 Millionen Menschen auf ihr. Davon sind rund fünf Prozent christlichen Glaubens – im 17. Jahrhundert kamen die ersten Missionare aus Spanien und den Niederlanden.

Die Insel ist demokratisch verwaltet. Die Regierung versteht Taiwan als «Republik China». Die benachbarte Volksrepublik China sieht in Taiwan eine Provinz, die man wieder in den Staat integrieren kann. Aus geostrategischen Überlegungen fungieren die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten als Schutzmacht Taiwans und verhindern eine Annektierung.

USA als unverlässlicher Partner

Doch diese Versicherung beginnt zu bröckeln. Die Regierung Trump kokettiert damit, Taiwan sich selbst zu überlassen. Im Mai haben die USA Waffenlieferungen gestoppt – dies, nachdem sich US-Präsident Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zu Gesprächen getroffen hatte.

Auf dem Rückflug nach Washington sagte Trump zu Journalisten, es hänge von China ab, ob die USA wieder Waffen nach Taiwan liefern würden. Denn: Die Lieferungen seien für die USA eine «sehr gute Verhandlungsmasse».

Zuversicht und Angst wechseln sich ab

Wie fühlen sich Taiwanesinnen und Taiwanesen, die nun ganz offen als Teil der Verhandlungsmasse in der Auseinandersetzung zweier Weltmächte bezeichnet werden? Ref.ch hat protestantische Kirchen in der Hauptstadt Taipeh angefragt. Sie antworteten, aber baten darum, weder die Namen der Kirche noch der Pastoren zu nennen, denn: «Es gibt einige Sicherheitsbedenken, die uns Sorgen bereiten.»

«Die allgemeine Haltung vieler Menschen in Taiwan ist, dass China nicht angreifen wird. Die meisten halten das für ausgeschlossen», schreibt ein Gemeindeleiter. Taiwan stellt zur Zeit alle Computerchips her, die für KI-Anwendungen benötigt werden. Auch abgesehen davon hat das Land viele internationale Geschäftsverbindungen. Taiwanesinnen und Taiwanesen vertrauen darauf, dass dies China von einem Angriff abhält.

Doch es gebe auch Menschen, die Angst hätten, heisst es aus den protestantischen Kreisen in Taipeh. Und: «Diese Menschen sind entweder bereits ausgewandert oder haben Immobilien im Ausland gekauft, um im Ernstfall einen Zufluchtsort zu haben.»

«Kirche wäre nicht vorbereitet»

Ein Pastor schreibt, er höre sich die Sorgen der Gemeindemitglieder bezüglich eines chinesischen Angriffs an. «Ich mache mir Sorgen, dass die Kirche auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet wäre.» Mit einem Teil der Mitglieder habe er begonnen, Pläne zu entwickeln, um den Menschen zu helfen, sich auf mögliche Krisen vorzubereiten. In den Predigten spreche er gelegentlich darüber, aber nur am Rande. Und für die Zukunft vertraut er auf Gott: «Ganz gleich was geschieht, hoffe ich, dass wir unsere Blick auf die himmlischen Dinge richten und unsere Mitmenschen und unsere Herrn lieben.»

Derweil fliegen Jets der chinesischen Armee täglich in den taiwanesischen Luftraum und die chinesische Staatsführung sanktioniert Staaten, die Kontakt mit der taiwanesischen Regierung haben. Am Donnerstag belegte China neuseeländische Abgeordnete mit einem Einreiseverbot. Die Begründung: Die vier Parlamentarierinnen und Parlamentarier hätten sich mit ihrem Besuch in Taiwan in «innerchinesische Angelegenheiten» eingemischt und das «Ein-China-Prinzip» verletzt.

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