Jugendorganisation unter Spardruck
Es geht um die Hälfte des Lagerbudgets
Für Cevianerinnen und Cevianer gilt: Sommerferienzeit ist SoLa-Zeit. Ob Steffisburg BE, Herblingen SH oder Weinfelden TG – in allen sieben Regionalverbänden der Jugendorganisation, die von den evangelisch-reformierten Landeskirchen unterstützt wird, sind die Jungscharen gerade irgendwo draussen in ihren Zeltlagern. Fast 12'000 Kinder und Jugendliche gehören zum Cevi und viele von ihnen nehmen an den verschiedenen Lagern teil, die während des Jahres stattfinden.
Doch das könnte sich ändern. Denn die drittgrösste Jugendorganisation der Schweiz muss bald mit weniger Geld auskommen. Der Bund will sparen, das Entlastungspaket sieht Kürzungen bei der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor. Betroffen ist auch das Förderprogramm Jugend+Sport (J+S), durch das die Jugendorganisation unterstützt wird. Ausserdem sind die Beiträge der reformierten Kirchen nicht garantiert.
Cevianer entscheiden in Synode mit
Bislang habe noch keine Kirchgemeinde die finanzielle Unterstützung einer Cevi-Abteilung in ihrem Regionalverband gekürzt, sagt Anja Lindenmann. Sie ist Co-Präsidentin des Cevi-Regionalverbands Aargau, Solothurn, Luzern, Zug.
Doch Lindenmann sagt auch, die Aargauer Landeskirche habe vor einigen Jahren eine hohe Kürzung angekündigt. Die Verantwortlichen der Jugendorganisation konnten die Sparübung abwenden, in dem sie deutlicher aufzeigten, was das Geld innerhalb der Organisation bewirkt.
An der Budgetdebatte 2018 der Synode der Aargauer Landeskirche stand eine Reduktion des Beitrags an den Cevi zur Diskussion. Der Kirchenrat wollte 20'000 Franken einsparen und die finanzielle Unterstützung auf 32'000 Franken reduzieren. In der Medienmitteilung von damals steht jedoch: «Es zeigte sich, dass in der Synode viele ehemalige Cevianer sitzen, die sich vehement für die Beibehaltung des Beitrags einsetzten.» Der Beitrag blieb bei damals 52'000 Franken.
Im November 2022 beschäftigte sich die Synode wieder mit dem Cevi-Beitrag. Ein Antrag für eine Erhöhung von 40'000 auf 50'000 Franken scheiterte jedoch.
Ein Fünftel weniger durch Sparmassnahmen
Unmittelbarer dürften die Auswirkungen der Massnahmen des Sparpakets des Bundes sein, die auch die Unterstützung für nicht-kommerzielle Sport- und Freizeitangebote betreffen. Felix Furrer, Sprecher von Cevi Schweiz, sagt auf Anfrage: «J+S-Beiträge machen rund die Hälfte eines Lagerbudgets aus.» Pro Kind beträgt die geplante Kürzung bei der Sportförderung rund 20 Prozent.
Laut der Jahresrechnung 2023 erhielt Cevi Schweiz rund 550'000 Franken aus dem Bundeskredit zur Förderung der ausserschulischen Kinder- und Jugendarbeit, sowie über 42'000 Franken aus dem J+S-Förderprogramm.
Furrer sagt, der Bund spare bei der Jugendförderung am falschen Ort. Dieser Meinung ist auch die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ). In ihrer Stellungnahme zum Bundesgesetz über das Entlastungspaket 27 heisst es, man sei erstaunt, dass am «äusserst erfolgreichen» J+S-Programm gespart werden soll, obwohl ein Expertenbericht im Auftrag des Bundes explizit davon abrate.
Eltern müssten mehr bezahlen
Ähnlich klingt es im Zusammenhang mit den Subventionen für die ausserschulische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Über 120 Organisationen würden dadurch unterstützt und eine Kürzung der Mittel schränke deren Möglichkeiten ein, das körperliche und geistige Wohlbefinden sowie die Integration von Kindern und Jugendlichen zu fördern, schreibt die EKKJ.
Cevi-Regionalverbands-Co-Präsidentin Anja Lindenmann sagt: «Konkrete Folgen der Sparmassnahmen könnten sein, dass man für die Teilnahme an Lagern viel mehr bezahlen muss oder dass die Mitgliederbeiträge deutlich teurer werden.»