Burgdorfer Pfarrer und «Vater der afrikanischen Theologie» John Mbiti gestorben

Der kenianische Religionsphilosoph John Mbiti war viele Jahre reformierter Pfarrer in Burgdorf im Kanton Bern. Nun ist der «Vater der afrikanischen Theologie» im Alter von 88 Jahren verstorben.


John Mbiti lehrte von 1983 bis 2003 am Institut für Systematische Theologie der Universität Bern. 16 Jahre lang war er reformierter Pfarrer in Burgdorf. Wie die Trauerfamilie nun mitteilte, ist Mbiti am 5. Oktober an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben.

John Mbiti wurde verschiedentlich als «Vater der modernen afrikanischen Theologie» bezeichnet. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel über Philosophie, Theologie und afrikanische Religionen verfasst. Zu seinen wegweisenden Schriften gehört die 1969 erschienene Abhandlung «African Religions and Philosophy».

Mit Forschung gegen Vorurteile

Um Mbitis Werk komme man nicht herum, er habe Generationen von afrikanischen Theologinnen und Theologen bis heute geprägt, sagt Matthias Zeindler, Leiter Theologie bei den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. «Mbitis Verdienst besteht vor allem darin, dass er durch aufwändige Forschung die Grundlage dafür gelegt hat, eingefahrene Vorurteile über afrikanische Religion zu überwinden.» Zudem sei er ein Pionier einer spezifisch afrikanischen christlichen Theologie gewesen.

In seinem Ruhestand übersetzte Mbiti das Neue Testament aus dem Griechischen in Kiikamba, seine Muttersprache. Nach Angaben der Familie ist er der erste Afrikaner, der allein die Bibel aus einer biblischen Sprache in eine afrikanische Sprache übersetzt hat.

Der 1931 als Sohn einer Bauernfamilie in Kenia geborene Mbiti studierte in Uganda, England und den USA. Im Jahr seiner Promotion 1963 wurde er zum anglikanischen Priester geweiht. Seit 1973 lebte Mbiti in der Schweiz. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den «Peace with Justice Award» der anglikanischen Kirche Südafrikas. (no)