Alttestament-Koryphäe Otto Kaiser ist tot

Der bekannte evangelische Theologe Otto Kaiser ist am 14. Dezember gestorben. Über fünfzig Jahre lang prägte Kaiser die Evangelische Theologie an der Philipps-Universität Marburg. Seine Erfahrungen im 2. Weltkrieg liessen ihn Theologie studieren.


Mit dem Alttestamentler Otto Kaiser sei einer der einflussreichsten Vertreter seines Fachs im 20. Jahrhundert verstorben, heisst es in einer Mitteilung des Dekanats der Philipps-Universität Marburg vom 22. Dezember. Kaiser starb am 14. Dezember im Alter von 93 Jahren.

Nach seiner Promotion und Habilitation in Tübingen wechselte Kaiser 1960 für eine ausserordentliche Professur an die Philipps-Universität in Marburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1993 den Lehrstuhl für Altes Testament innehatte. In diesem Zeitraum leitete er dreimal das Dekanat der Theologischen Fakultät. Als Lehrer und Forscher hatte Kaiser einen aussergewöhnlich grossen Kreis an Schülerinnen und Schülern.

Viele Schriften sind heute Standardwerke

Zu seinen wissenschaftlichen Leistungen gehören unter anderem sein in bisher fünf Auflagen erschienener Kommentar zu Jesaja, seine ebenfalls in mehreren Auflagen publizierte Einleitung in das Alte Testament sowie seine dreibändige Theologie des Alten Testaments. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Erforschung der Weisheitsliteratur, aus der viel beachtete Kommentare zu den Büchern Jesus Sirach, Hiob und Weisheit Salomos hervorgegangen sind, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Zu einem Standardwerk wurden auch die von Kaiser herausgegebenen «Texte aus der Umwelt des Alten Testments».

Der 1924 in Prenzlau, Brandenburg, geborene Kaiser studierte ursprünglich Medizin, wechselte aber nach dem Krieg aufgrund der Erfahrungen an der Ostfront zum Studium der Theologie. (no)