Bundesasylzentrum Arth: Kritik und rechte Parolen an Infoanlass
Es ist bereits der zweite Anlauf, den das Staatssekretariat für Migration (SEM) für ein Bundesasylzentrum im Kanton Schwyz unternimmt. Es wollte ursprünglich in Schwyz ein Zentrum für die Asylregion Zentralschweiz/Tessin mit 340 Plätzen errichten, stiess aber auf grossen Widerstand.
Nun soll in Arth auf dem Areal des Camping Buosingen (ref.ch berichtete) ein Zentrum mit 170 Betten erstellt werden. Nach der Reduktion ist die Schwyzer Kantonsregierung mit dem Projekt einverstanden. Der Kanton Schwyz wolle «Teil der Lösung sein», sagte Regierungspräsidentin Petra Steimen-Rickenbacher (FDP) am Informationsanlass.
Das wollen aber nicht alle. Der Arther Gemeindepräsident Ruedi Beeler (Mitte) protestierte: Seit die Pläne des SEM bekannt geworden seien, sei die Welt in Arth nicht mehr dieselbe.
Freiheitstrychler und «Remigrations»-Forderungen
Lauter Protest war bereits vor dem Infoanlass zu hören. Anwohner von Buosingen forderten «Remigration» statt eines Asylzentrums. Zudem marschierten Freiheitstrychler auf wie zu Zeiten der Pandemie. Gemeindepräsident Beeler forderte die rund 700 Personen auf, anständig zu bleiben.
SEM-Leiterin Christine Schraner Burgener zeigte Verständnis für die Sorgen der Artherinnen und Arther. Neue Bundesasylzentren würden Befürchtungen auslösen. Dabei gehe es vor allem um die Sicherheit «in seiner wohlvertrauten Umgebung». Schraner Burgener stellte nicht in Abrede, dass es auch unter den Geflüchteten solche gebe, die sich nicht an die Regeln halten. Die grosse Mehrheit verhalte sich aber korrekt.
Nicht leichtfertig Ja gesagt
Gemeindepräsident Beeler stellte sich hinter die Pläne des SEM. Der Gemeinderat habe aber «nicht leichtfertig» zugestimmt. Zentral sei, dass Arth als Gegenleistung faktisch von der «Asyllast» befreit werde, und dass Bund und Kanton die Sicherheit gewährleisten.
In der Diskussionsrunde warf ein Arther dem Gemeinderat vor, «Höseler» zu sein. «Wir wollen kein Bundesasylzentrum in Buosingen, in Arth, im Talkessel Schwyz und auch nicht im Kanton Schwyz», sagte er unter dem Beifall der Anwesenden.
Buhrufe, Pfiffe und Gelächter
Er habe das Gefühl, man sorge für alle, aber nicht für die eigenen Leute, sagte ein Votant. Als seine Frage nach den Betriebskosten des Zentrums nicht beantwortet werden konnte, gab es Buhrufe und Pfiffe. Mehrmals wurde dem SEM vorgeworfen, sich nicht an die demokratischen Regeln zu halten. Ein Anwohner des Campingplatzes fragte, warum das Bundesasylzentrum auf dem Land, wo es niemand wolle, erstellt werde, und nicht in einer Stadt. In den Städten gebe es bereits Asylzentren, entgegnete Schraner Burgener.
Viele Anwesende redeten sich ihren Frust über die Migration von der Seele. Auf erklärende Antworten der Behördenvertreter reagierten die Anwesenden mit Gelächter. Es werde bezüglich der Sicherheit alles schöngeredet, sagte einer. Ein anderer forderte diejenigen Anwesenden auf, die für das Zentrum seien, die Hand zu erheben – die Abstimmung fiel deutlich dagegen aus. (sda/ dst)