Bundesasylzentren in der Schweiz sind voll

Der Bund sucht neue Unterkünfte für Asylsuchende. Um alle Hygiene- und Distanzregeln einzuhalten, wurde die Zahl der Plätze in den Bundesasylzentren halbiert. Nun benötigt der Bund mehr Platz.

In den 16 Bundesasylzentren in der Schweiz stehen normalerweise 4400 Plätze für Asylsuchende zur Verfügung. Wegen der Corona-Pandemie und den vorgeschriebenen Schutzmassnahmen musste der Bund die Platzverhältnisse anpassen, sodass heute noch 2200 Asylsuchende in den Bundeszentren untergebracht werden können, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am 5. November mitteilte. Diese Plätze seien nun zu «über 90 Prozent belegt». Zudem sei die Zahl der neuen Asylgesuche in den vergangenen Wochen wieder angestiegen.

Es bestehen also praktisch keine Unterbringungsreserven mehr. Justizministerin Karin Keller-Sutter sprach schon Ende Oktober im Nationalrat von einer «schon fast prekären Situation» in den Bundesasylzentren. Der Bund suche mit den Kantonen nach Lösungen, um zusätzliche Unterbringungskapazitäten zu schaffen.

Auf Hilfe der Kantone angewiesen

Auch das SEM schreibt von «grossen Herausforderungen», mit denen man konfrontiert sei. Die Zahl der Plätze müsse nun «vorausschauend» erhöht werden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Hygiene- und Distanzvorgaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) würden in den Bundesasylzentren strikte eingehalten. Bisher seien 160 Asylsuchende in Bundesasylzentren positiv auf Covid-19 getestet worden.

Eine erste Lösung wurde nun gefunden. In Brugg AG nimmt der Bund am 30. November in den Motorfahrzeugdienst-Hallen Ländi ein temporäres Bundesasylzentrum in Betrieb. Dies schaffe Platz für 230 Asylsuchende für die Dauer von maximal drei Jahren. Bereits im Juni hatte das SEM die Kaserne Boltigen BE mit 120 Unterbringungsplätzen für die Dauer eines Jahres vorübergehend als Bundesasylzentrum wiedereröffnet. Gleichzeitig habe das Bundesasylzentrum Muttenz BL mit seinen rund 500 Plätzen per Ende Oktober 2020 geschlossen werden müssen. Dort befindet sich seit Anfang November eine Corona Test- und Abklärungsstation.

In Vorbereitung sind laut SEM mögliche Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende in Sulgen TG und Reinach BL. Doch dies reiche nicht aus: «Das SEM ist auf die Unterstützung durch die Kantone angewiesen.» (sda/bat)