Bangladesch

Mehedi Hasan hat wieder eine Perspektive

Eigentlich hätte Mehedi Hasan Landwirt werden sollen – wäre da nicht der Klimawandel. Dass er dennoch eine Zukunft hat, verdankt er dem mit Schweizer Hilfe aufgebauten «Migration Hub».

Mehedi Hasan ist 26 Jahre alt und wohnt in Gulishakhali im Südwesten Bangladeschs. Die Gegend liegt nur knapp über dem Meeresspiegel, zum Teil sogar etwas darunter. Weil sich das Klima in den letzten Jahrzehnten immer mehr erwärmt hat, führen die Flüsse, die für die Bewässerung der Felder unentbehrlich sind, immer weniger Wasser. 

Gleichzeitig steigt wegen des Klimawandels auch der Meeresspiegel an, was zur Folge hat, dass das Meerwasser das Flusswasser zurückdrängt und über das weit verästelte Bewässerungssystem immer mehr ins Landesinnere vordringt.

Mehedi Hasan und seine Frau Mitu Akhter beim Kochen.

Dadurch werden die Böden immer salzhaltiger. Ganze Landstriche im einst sehr fruchtbaren Süden Bangladeschs können für die Landwirtschaft nicht mehr genutzt werden – ebenso wenig die Felder der Familie von Mehedi Hasan.

Mehedi und Vater Mahabub Hawlader vor ihrem Haus. Das Dach ist so rostig, weil es in der feuchten Luft einen hohen Salzgehalt hat.

Mehedis Vater verkaufte sie eins ums andere, wodurch sein Sohn keine Existenzgrundlage mehr hatte. Dieser tat, was viele junge Menschen in Bangladesch tun, die in der Heimat keine Perspektive mehr haben: Er ging, 18 Jahre alt, in anderen Landesteilen auf Stellensuche und arbeitete in den grossen Städten auf dem Bau.

Als einziger Sohn muss Mehedi Hasan, so will es die Tradition in Bangladesch, für den Lebensunterhalt der Eltern sorgen. Das ist jetzt, wo die Familie keine Felder mehr hat, eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe.

Vater Mahabub mit Wassergefäss auf der gefährlichen Bambusbrücke, die das Dorf mit dem einzigen Trinkwasserspeicher verbindet

«Wenn ein Sohn sein Dorf, sein Elternhaus verlässt, stürzt oft das ganze Sozialgefüge ein», sagt Sagor Mridha. Er ist geschäftsführender Sekretär des «Migration Hub», einer von Freiwilligen betriebenen Beratungsstelle, die die Schweizer Organisation Helvetas in Nishanbaria und anderen Orten in Bangladesch für Arbeitsmigrantinnen und -migranten wie Mehedi Hasan eingerichtet hat. Hier bekommen die meist sehr jungen und oft schlecht oder gar nicht ausgebildeten Menschen Unterstützung, wenn sie in anderen Landesteilen auf Arbeitssuche gehen müssen. 

Der «Migration Hub» wird von Sagor Mridha geführt.

Im «Migration Hub» erfahren sie, dass sie Rechte haben und welche das sind. Sie erhalten Tipps für den Umgang mit Behörden und Arbeitgebern, erfahren, wo in Bangladesch welche Stellen offen sind. Nach Möglichkeit werden sie mit Leuten aus ihrer Gegend vernetzt, die bereits eine Arbeit gefunden haben.

«Aber», sagt Sagor Mridha, «wir versuchen vor allem, die Menschen vom Abwandern abzuhalten. Denn was passiert, wenn ein Elternteil krank wird oder mit den Kindern etwas ist?»

Helvetas führte deshalb parallel zum «Migration Hub» eine Berufslehre nach Schweizer Vorbild ein: Eine praktische Berufsausbildung in einem Lehrbetrieb, kombiniert mit schulischer Wissensvermittlung – etwas, das man in Bangladesch bisher nicht kannte. So konnte Mridhas Team dem jungen Hasan eine Lehrstelle bei Solaiman Hawlader, dem Inhaber eines Elektrofachgeschäfts in Nishanbaria, vermitteln. Nach seiner Lehre konnte er im Betrieb bleiben.

Mehedi Hasan mit seinem Lehrmeister und Arbeitgeber Solaiman Hawlader.

Mehedi Hasan sagt: «Ich bin sehr glücklich, dass ich dank der Unterstützung des ‹Migration Hub› diese Stelle bekam. Jetzt kann ich hier in meiner Gegend arbeiten und bin wieder mit meinen Eltern und meiner Frau zusammen.» Er hat jetzt wieder eine Perspektive.

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