Europa

Proteste helfen dem Klima

Sich fürs Klima zu engagieren lohnt sich. Eine umfassende Studie aus den USA beweist, dass Demonstrationen, Proteste und selbst Blockaden zu einem «grüneren» Wahlverhalten führen.

Im Sommer 2018 begann Greta Thunberg vor dem Schwedischen Reichstag ihre Schulstreiks. Weniger als ein Jahr später demonstrierten weltweit 1,8 Millionen Menschen unter dem Hashtag #FridaysForFuture für mehr Klimaschutz. Es schien so, als würde ein gewaltiger Ruck durch die Menschheit gehen.

Doch dann wurden andere Themen wichtiger: Corona, der Krieg in Europa, Migration und Rechtsextreme, Trump. Der globale Klimaschutz dagegen stagniert. Gestreikt wird zwar immer noch, aber der Schwung scheint abhandengekommen. Bringt der jahrelange Kampf um mehr Klimaschutz auf der Strasse überhaupt etwas?

Ihr Engagement lohnt sich: Demonstrierende ziehen am 11. April anlässlich des Klimastreiks durch die Altstadt von Bern. (Anthony Anex / Keystone)

Eine neue Studie des Yale Program on Climate Change Communication kommt zu einem überraschend eindeutigen Schluss: Ja. Proteste erhöhen das Bewusstsein für den Klimawandel. Sie beeinflussen nicht nur die öffentliche Meinung, sondern auch das Wahlverhalten.

So zeigte sich beispielsweise in Deutschland, dass die Grünen in Gebieten, in denen Demonstrationen von Fridays for Future stattfanden, bei der Bundestagswahl 2021 mehr Stimmen erhielten – zwischen 2 und 2,5 Prozentpunkte mehr als in Kommunen ohne Proteste. Je häufiger Demonstrationen stattfanden, desto mehr verstärkte sich dieser Effekt. Zudem wanderten durch die Klimaproteste Wählerinnen und Wähler der AfD zur CDU ab.

Für ihre Meta-Analyse (peer-reviewed) haben die Forschenden 50 aktuelle Studien ausgewertet, welche die Wirkung von Klima-Aktivismus auf unterschiedlichen Ebenen untersucht hatten.

Ein weiteres erstaunliches Resultat der Analyse ist, dass auch radikalere Protestformen wie Strassenblockaden oder Sabotageaktionen nicht zu einer grösseren Ablehnung von Klimaschutz führten. Im Gegenteil erhöhte dies die Unterstützung für gemässigtere Klimaschutz-Gruppen.

Solange die Proteste gewaltfrei sind, so das Fazit der Autoren, führt Klimaaktivismus zu mehr Akzeptanz für Klimaschutz. Für alle, die das Klima schützen möchten, ist das eine gute Nachricht: Ihr Engagement lohnt sich. Umso mehr, als Forschende davon ausgehen, dass es soziale Kipppunkte gibt. Diese Theorie geht davon aus, dass ein einzelnes Ereignis ein System ins Wanken bringen kann, wenn eine kritische Masse (etwa ein Viertel der Bevölkerung) den Wandel fordert.

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