Asylunterkunft statt Kulturkirche

In der Kirche Rosenberg in Winterthur Veltheim sollen schon bald 70 Flüchtlinge einquartiert werden. Die Vorbereitungen beginnen noch vor Weihnachten.

Dankbar für das Angebot der Kirche: Stadtrat Nicolas Galladé.
Dankbar für das Angebot der Kirche: Stadtrat Nicolas Galladé. (Bild: zVg)

Nach dem Nein der reformierten Stimmbevölkerung zur Kulturkirche Rosenberg wurde nun eine neue Bestimmung für die ausgediente Gemeindekirche gefunden: Ab Mitte Januar sollen bis zu 70 Flüchtlinge im grosszügigen Kirchenraum untergebracht werden. Für diesen Zweck hat die Kirchgemeinde Veltheim das Gebäude für zwei Jahre an die Stadt Winterthur vermietet. Am Dienstag traten Vertreter von Kirchgemeinde und Stadt vor die Medien, um über das weitere Vorgehen zu informieren.

Ein Raum für Menschen

Pfarrer Arnold Steiner erinnerte gleich zu Beginn an die Weihnachtsgeschichte. Die Kirchgemeinde Veltheim wolle Maria und Josef mit dieser Geste eine Herberge bieten. Dies passe zum reformierten Verständnis – «eine Kirche ist nicht nur Raum für Sakrales, sondern vor allem auch ein Raum für Menschen». So wolle man hier Solidarität leben und verletzlichen Menschen Schutz und Geborgenheit bieten. Mit dem schönen und zentral gelegenen Raum setze man zudem ein wichtiges Zeichen: «Wir wollen die Flüchtlinge nicht abschieben, sondern in unserer Mitte aufnehmen.»

Gestartet wird der Betrieb mit rund 20 Asylsuchenden ab Mitte Januar. Die ersten baulichen Anpassungen sollen bereits vor Weihnachten vorgenommen werden, erklärte der Architekt Markus Jedele, Mitglied der Kirchenpflege. Die Kirchenbänke werden hierfür abmontiert und auf der Empore eingelagert. Die Orgel und die Kanzel sollen mit Verschalungen geschützt werden, wie auch der Boden und die Fenster. «Die Denkmalpflege arbeitet eng mit uns zusammen.» Um den Flüchtlingen ein Minimum an Privatsphäre zuzusichern, werden im Kirchenraum und im darunterliegenden Saal kleine Häuschen, so genannte Shelters for Refugees, aufgebaut. Jeweils fünf Personen teilen sich eine solche Einheit. Duschen, WCs und Kochgelegenheiten finden in Containern neben der Kirche Platz; diese werden mit einem provisorischen Dach mit der Kirche verbunden. «Es handelt sich um keinen Umbau, sondern um eine Zwischennutzung», betonte Jedele. In zwei Jahren wollen man den Raum wieder als Kirchenraum nutzen können.

Die grösste Flüchtlingsbewegung seit dem zweiten Weltkrieg

Sozialvorsteher Nicolas Galladé bedankte sich bei den Gastgebern. Die Stadt nehme das Angebot dankbar an. Der Kanton Zürich habe alle Gemeinden verpflichtet, ab Januar 2016 mehr Asylsuchende unterzubringen. Für Winterthur bedeutet dies eine Aufnahme von zusätzlich 220 Personen. «Wir erleben die grösste Flüchtlingsbewegung seit dem zweiten Weltkrieg», sagte Galladé. Mit solchen Angeboten könne man helfen. Die vielen positiven Reaktionen aus der Bevölkerung gäben ihm Zuversicht und Hoffnung auf gutes Gelingen. «Die langfristige Herausforderung ist dann allerdings die Integration der Menschen, die hier in der Schweiz bleiben», sagte Galladé.

Für den Betrieb der Unterkunft und die Betreuung der Asylsuchenden ist die Abteilung Asyl der Stadt Winterthur verantwortlich. Martin Gfeller, Leiter Sozialberatung, versicherte, dass man die beherbergten Menschen nicht sich selber überlassen werde. «Es wird eine 24-Stunden-Betreuung geben.» Dazu gehören Unterbringung und Betreuung sowie die Gewährleistung von persönlicher und finanzieller Hilfe. Wesentlich sei auch die Unterstützung für die berufliche und soziale Integration, betonte Gfeller.

Engagement für Flüchtlinge

«Es ist uns bewusst, dass die Entscheidung grosse Veränderungen für die Nachbarschaft bedeutet», sagte abschliessend der Präsident der Kirchenpflege, Ueli Siegrist. Die reformierte Kirche habe die Absicht, sich «aktiv und unterstützend» für die Integration der Flüchtlinge zu engagieren. Die Koordination von Anliegen und Angeboten aus dem Quartier wird durch eine Begleitgruppe erfolgen, die von der Quartierentwicklung initiiert wird und in der sich auch Freiwillige aus dem Quartier beteiligen können.

Aus aktuellem Anlass wird Pfarrer Arnold Steiner am Sonntag, 20. Dezember, um 10 Uhr, noch einmal einen reformierten Gottesdienst mit Abendmahl in der Kirche Rosenberg durchführen.

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

Sandra Hohendahl/reformiert.info