Winterthur: Die geplante Kulturkirche wird an der Urne entschieden

Aus der reformierten Kirche Rosenberg in Winterthur soll eine Kulturkirche werden. Dagegen haben sieben Mitglieder der reformierten Zentralkirchenpflege das Behördenreferendum ergriffen. Dass eine kirchliche Behörde ein Referendum ergreift, ist für die Landeskirche ein Novum.

50 Jahre alt - Zukunft ungewiss: Aus der reformierten Kirche Rosenberg soll eine Kulturkirche werden. Darüber befinden werden die Reformierten der Stadt Winterthur im November. (Bild: polak/Wikimedia)

Eine Kirchenumnutzung in Winterthur polarisiert so sehr, dass sechs Mitglieder der reformierten Zentralkirchenpflege das sogenannte Behördenreferendum ergriffen haben. Damit müssen die stimmberechtigten Mitglieder der reformierten Landeskirche in Winterthur am 22. November über den 450 000-Franken-Kredit befinden. Diesen sprach die Zentralkirchenpflege für eine zweijährige Testphase einer künftigen Kulturkirche Rosenberg, wenn auch knapp: 8 Mitglieder votierten dafür, 7 waren dagegen.

Zweckverband ermöglicht Behördenreferendum

An ein Behördenreferendum innerhalb der Landeskirche, um einen Beschluss einer Zentralkirchenpflege wieder rückgängig zu machen, kann sich Martin Röhl, Leiter Rechtsdienst und Kanzlei der Reformierten Landeskirche Zürich, nicht erinnern: «Meines Wissens kam es in den letzten 15 Jahren nie dazu.» Dass diese Möglichkeit besteht, gründet in der Organisation des Stadtverbandes.  Gegenüber dem «Landboten» sagt Adrian Honegger, Sekretär des reformierten Stadtverbandes: «Nach Gemeindegesetz sind wir ein Zweckverband.» 200 Kirchenmitglieder oder mindestens 6 von 17 Mitgliedern der Zentralkirchenpflege können ein Referendum erwirken.

Kulturprojekt für «elitäre Gesellschaft»

Zwei Monate vor der Abstimmung wenden sich die Befürworter einer Kulturkirche nun nochmals mit ihren Argumenten an die Öffentlichkeit. In einer «Medienorientierung» sollen die Hintergründe und Ziele des Projekts dargegelegt werden. Auf der Website der Gegner wird kritisiert, dass sich das Projekt «zur Hauptsache an eine elitäre Gesellschaft» richtet und bestehende kulturelle Angebote konkurrenziert. Auch wird gefragt, warum keine Bedürfnisabklärung erfolgte.

Verteilkampf um Gelder wird zunehmen

Eine Person, die mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut ist, sagt, dass es sich letztlich um einen klassischen Verteilkampf bestehender Gelder handelt. Dieser werde sich künftig noch verschärfen: «Die Kirche muss sparen, ihre Mittel schrumpfen. Um Angebote und Gelder wird künftig in der Landeskirche wohl härter gekämpft werden.»