Südafrika

Anti-Apartheid-Kämpfer Desmond Tutu ist tot

Desmond Tutu war das moralische Gewissen Südafrikas und kämpfte mit klaren Worten gegen Rassendiskriminierung und andere Ungerechtigkeiten. Nun ist der frühere anglikanische Erzbischof im Alter von 90 Jahren gestorben.

Desmond Tutu bei einem Auftritt am World Economic Forum 2009 in Davos. (Bild: Keystone/ Alessandro della Bella)

Der weltbekannte südafrikanische Menschenrechtler und Anti-Apartheid-Kämpfer Desmond Tutu ist tot. Der Friedensnobelpreisträger und frühere Erzbischof starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren, wie Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa in einer Erklärung mitteilte.

Als prominentester Geistlicher war er jahrzehntelang das moralische Gewissen des Landes, für das er nach Überwindung der Apartheid einst den Begriff der «Regenbogennation» prägte. «Für viele in Südafrika und auch der Welt war sein Leben ein Segen», schrieb seine Stiftung. Er sei ein aussergewöhnlicher Mensch gewesen. «Er nahm Gott, Gottes Willen und Gottes Schöpfung todernst», schrieb Kapstadts Erzbischof Thabo Makgoba.

Ob Rassendiskriminierung oder andere Ungerechtigkeit: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis. Er sei ein pragmatischer und prinzipienfester Mensch gewesen, schrieb Ramaphosa.

Kämpfer für die Aussöhnung

Die amtierende Koordinatorin seines Büros, Ramphela Mamphele, schrieb in einer Erklärung, Tutu sei am Morgen in einem Seniorenheim in Kapstadt gestorben. Südafrika und die Welt hätten eins ihrer moralischen Vorbilder verloren. «Der Erzbischof war ein moralischer Kompass für unsere Gesellschaft», sagte Verne Harris von der Nelson-Mandela-Stiftung im TV-Sender «eNCA». Er sei seiner Zeit oft voraus gewesen.

Der am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg geborene Tutu war nach dem Ende der Apartheid einer der Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarz und Weiss. Er übernahm 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeitete. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden fühlte, kritisierte er den ANC später für Missstände oder Fehlentwicklungen.

Lange Krankheit

Nach der Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Obwohl er immer häufiger zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete er sich bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer lautstark zu Wort. Er hinterlässt seine Frau Leah und vier Kinder.

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte. (sda/dpa/no)