Jubiläum

Desmond Tutu feiert Geburtstag

Der frühere südafrikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat sich für Gleichheit, Gerechtigkeit und Versöhnung eingesetzt. Nun wird er neunzig Jahre alt.

Desmond Tutu setzt sich noch immer ein für Minderheiten. (Bild: Keystone/ Rodger Bosch)

Unbequeme Standpunkte scheinen ihm nichts auszumachen - im Gegenteil. Desmond Tutu, der frühere Erzbischof von Kapstadt, ist so etwas wie das Gewissen Südafrikas und schreckt vor kontroversen Themen nicht zurück. Am 7. Oktober wird er 90 Jahre alt. Und er meldet sich immer noch zu Wort.

Über die «Desmond & Leah Tutu Legacy Foundation», eine Stiftung, die er gemeinsam mit seiner Frau Leah gegründet hat, wendet Tutu sich an die Südafrikanerinnen und Südafrikaner. Im vergangenen Jahr kritisierte die Stiftung Korruption beim Einkauf von Schutzmaterialien während der Corona-Pandemie. Als Tutu im Mai gegen Corona geimpft wurde, sagte er, sein Leben lang habe er versucht, das Richtige zu tun - und die Impfung sei das Richtige, um zu einem Ende der Pandemie beizutragen.

Homosexuelle Hochzeit gefeiert

Neben Nelson Mandela (1918-2013), dem ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas, ist Tutu der wohl berühmteste Kämpfer gegen die Apartheid. Er lief bei Protestmärschen vorne mit, machte im Ausland auf die Menschenrechtsverletzungen in seinem Heimatland aufmerksam und wurde dafür von der Apartheid-Regierung drangsaliert. Für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. 1990, als Mandela nach 27 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde, nahm Tutu ihn die erste Nacht in Freiheit in seinem Haus auf.

Tutu setzte sich für das Recht auf Sterbehilfe ein und für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. Mit seiner Haltung ging er immer wieder auf Distanz zu seiner Kirche. Als seine Tochter eine niederländische Ärztin heiratete, stellte er sich hinter das Paar. Mpho Tutu, eine Pfarrerin, musste ihr Amt aufgeben, weil die anglikanische Kirche Homosexuellen die Priesterweihe verweigert. Vater Desmond Tutu feierte bei der Hochzeit mit und sagte, er sei traurig über die Haltung seiner Kirche.

Erstes Kirchenoberhaupt

Geboren wurde Desmond Mpilo Tutu 1931 in der kleinen Goldgräber-Stadt Klerksdorp im Transvaal. Sein Vater war Lehrer, seine Mutter Hausangestellte. Er wurde selbst Lehrer, gab den Beruf aber nach drei Jahren auf, weil die Apartheid-Regierung den «Bantu Education Act» verabschiedet hatte, der die Rassentrennung in allen Bildungseinrichtungen vorschrieb.

Tutu studierte Theologie und wurde 1960 als Geistlicher der anglikanischen Kirche ordiniert. Er studierte und lehrte in Grossbritannien und Südafrika. 1975 wurde er in Johannesburg zum ersten schwarzen Dekan berufen, drei Jahre später zum Generalsekretär des südafrikanischen Kirchenrates gewählt.

In dieser Zeit, als es in den Townships, den Schwarzenvierteln, zu Aufständen kam, wurde Tutu zum Vorkämpfer der Anti-Apartheid-Bewegung - auch wenn er stets betonte, keine politischen, sondern religiöse Motive zu verfolgen. 1986 wurde Tutu Erzbischof von Kapstadt und damit der erste Schwarze an der Spitze der anglikanischen Kirche in Südafrika. 1996 schied er aus dem Amt. (epd / jow)