Schweiz

Alt Nationalrat Jean Ziegler stirbt im Alter von 92 Jahren

Ein Mahner gegen Hunger, Ungleichheit und Machtmissbrauch ist verstummt: Der Genfer Soziologe, Globalisierungskritiker und frühere UNO-Sonderberichterstatter Jean Ziegler ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der Soziologe und Globalisierungskritier Jean Ziegler ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung verstorben. Seine Frau bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA eine entsprechende Meldung des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS.

Jean Ziegler kam am 19. April 1934 als Hans Ziegler in Bern zur Welt und wuchs in einem sehr bürgerlichen Milieu auf. Sein Vater war Gerichtspräsident von Thun, Militär und Calvinismus prägten ihn.

Ziegler rebellierte gegen dieses «Betongefängnis», wie er 2015 in einem Interview gegenüber «reformiert.» sagte. Während seines Soziologiestudiums in Paris freundete er sich mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir an, wie das SRF schreibt. Daraufhin brach er mit seinem alten Leben: «Ziegler wird zum linken Revoluzzer, nennt sich fortan französisch Jean und konvertiert zum Katholizismus.»

Sein Verhältnis zur Kirche beantwortete er 2015 mit einem Zitat des Schriftstellers Victor Hugo: «Ich hasse alle Kirchen, ich liebe die Menschen, ich glaube an Gott.»

Ziegler sah es als seine Pflicht als Privilegierter für die Erniedrigten einzustehen. Neben seinem 27-jährigen Engagement als SP-Nationalrat dozierte Ziegler als Soziologie-Professor an der Universität Genf. Weiter unterrichtete er auch an den Universitäten Bern, Grenoble und Paris, wie das Historische Lexikon der Schweiz angibt.

Als Präsident der Parlamentariergruppe Schweiz-Dritte Welt war Ziegler ein umtriebiger und umstrittener Volksvertreter, der einen langen Kampf gegen die Banken und die Wirtschaftslobby in der Schweiz und im Ausland führte. Dazu verfasste er zahlreiche Werke, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, wie «Die Schweiz wäscht weisser» (1990) oder «Der Hass auf den Westen» (2009).

Nach seinem Rückzug aus der Schweizer Politik setzte der Genfer seine Karriere und sein langjähriges Engagement zugunsten von Entwicklungsländern international fort. Von 2000 bis 2008 war Ziegler Sonderbeauftragter des UN-Menschenrechtsrats für das Recht auf Nahrung. In der Folge war er Mitglied des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats.

Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, zeigte sich bestürzt über die traurige Nachricht des Tods von Jean Ziegler. «Wir sind alle mit ihm aufgewachsen.» Er würdigte ihn als «Kämpfer vor allem für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen» und einen «Verfechter des Ökosystems der Menschenrechte». (sda/ gab)

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