Aargauer Kirchenrat ist für die «Ehe für alle»

Der Kirchenrat der Reformierten Kirche Aargau spricht sich sowohl für die zivilrechtliche Eheschliessung gleichgeschlechtlicher Paare als auch deren kirchliche Trauung aus. Aussagen in der Bibel müssten auf ihre Relevanz für heutige Fragestellungen hin überprüft werden.


Wenn zwei Menschen das Leben miteinander teilen und füreinander Verantwortung übernehmen wollten, dann sei das für die Kirche ein Grund zur Freude, teilte die Aargauer Landeskirche am 18. September mit.

Der Kirchenrat schliesse sich der von der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes verabschiedeten Erklärung an: «Wir sind von Gott gewollt, wie wir geschaffen sind. Unsere sexuelle Orientierung können wir uns nicht aussuchen. Wir nehmen sie als Ausdruck geschöpflicher Fülle wahr.» Der Kirchenrat befürworte deshalb sowohl die zivilrechtliche Eheschliessung gleichgeschlechtlicher Paare als auch deren kirchliche Trauung.

Überholte Moral

Die Verurteilung homosexuell empfindender Menschen aufgrund einer heute überholten Moral habe während Jahrhunderten sehr viel Leid und von den Kirchen mitverantwortetes Unrecht verursacht, hält der Kirchenrat fest. Aus heutiger Sicht des christlichen Glaubens und aufgrund einer zeitgemässen Interpretation der biblischen Aussagen sei eine solche Ausgrenzung in keiner Weise mehr zu rechtfertigen.

Das Eheverständnis habe sich über Jahrhunderte entwickelt und verändert. Dabei habe auch ein sich wandelndes Verständnis der Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens eine Rolle gespielt. «Heutige gesellschaftliche und theologische Fragen lassen sich nicht mit einem einfachen Verweis auf einzelne Bibelstellen beantworten», so der Kirchenrat.

Theologie und Kirche hätten gelernt, dass Aussagen der Bibel auch von der Zeit und den Umständen ihrer Entstehung geprägt sind. «Für die Auslegung in unserer Zeit steht die Botschaft der Liebe Gottes zu allen Menschen im Zentrum.» (bat)