Aargauer Kirchenrat für Vorgehen bei Ehe für alle kritisiert

An der Synode der Reformierten Landeskirche Aargau tadelte die Evangelische Fraktion den Alleingang des Kirchenrates bei der Ehe für alle. Zuerst hätte die Synode angehört werden müssen, hiess es.


Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sorgt bei den Aargauer Reformierten weiter für Diskussionsstoff. An der Synode am 20. November in Aarau wurde das Vorgehen des Kirchenrates kritisiert. Dieser hatte sich schon am 17. September für die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. Die Evangelische Fraktion wollte in einer Interpellation wissen, warum der Kirchenrat nicht zuerst die Synode zur Ehe für alle angehört habe und wie Pfarrerinnen und Pfarrer unterstützt werden könnten, die keine homosexuellen Paare trauen wollen.

Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg entgegnete in seiner Antwort, dass die Haltung des Kirchenrats breit abgestützt gewesen sei, schliesslich habe es verschiedene kirchliche Stellungnahmen dazu gegeben, auch vom Kirchenbund. Pfarrpersonen würden zudem keine Unterstützung brauchen. Es gelte die Gewissensfreiheit und wer kein homosexuelles Paar trauen will, der werde nicht benachteiligt oder bedroht.

Auch suche der Rat das Gespräch mit Personen, die anderer Meinung sind. Er sehe zudem keinen Grund, dass diese Diskussion, wie es in der Interpellation heisst, «dazu neigt, die Kirche zu spalten.» Die Synode würdigte die Antwort mit Applaus, wie es in der Mitteilung heisst. Eine weitere Diskussion zum Thema wurde für nicht nötig gehalten.

Freie Wahl der Kirchen soll einfacher werden

Auch beim Projekt «Perspektive 2030» ging es um die Zukunft der Kirche. Man wolle, so Weber-Berg, auf die sich wandelnde Gesellschaft eingehen. Zum Beispiel sollen die Rahmenkonzepte für Gottesdienste und Diakonie verändert und das Modell einer partnerschaftlichen Leitung der Kirchgemeinde weiterentwickelt werden. Auch die freie Wahl der Kirchgemeinde soll in Zukunft dank einer neuen Steuersoftware einfacher möglich sein. Damit könnten Mitglieder ihre Kirchensteuer einer frei gewählten Gemeinde zukommen lassen. Sobald der Kanton Aargau die neue Steuersoftware einführt, werde der Kirchenrat einen entsprechenden Antrag der Synode vorlegen.

Das Budget 2020 mit einem Verlust von rund 140’000 Franken wurde mit wenigen Gegenstimmen angenommen. Für eine fast einstündige Diskussion sorgte die Erhöhung des Rechtsdienstes um 50 Stellenprozente für die nächsten fünf Jahre. Auch diesem Posten wurde aber schliesslich zugestimmt. (mos/bat)