ZH: Knapp 200 Unterschriften für Reform-Manifest gesammelt

Das Manifest der Arbeitsgruppe «Kirche für Alle» stösst bei den Zürcher Reformierten auf Zustimmung: Das Ziel der Initianten wurde bereits übertroffen.

Blick vom St. Peter. Die inhaltliche Strategie im Reformprozess soll möglichst basisnah in den Kirchgemeinden umgesetzt werden, so eine Forderung der Manifest-Initianten. (Bild: ref.ch)

In dem Manifest fordert die Arbeitsgruppe «Kirche für alle» eine klare inhaltliche Strategie der Zürcher Landeskirche und eine politisch und gesellschaftlich engagiertere Kirche. Zehn Mitglieder der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich stehen hinter dem am 12. Januar publizierten Papier zum Reformprozess «Kirchgemeindeplus». Das Manifest wurde auf der Petitionsplattform change.org veröffentlicht.

 

Reform mit Inhalten

Bis Redaktionsschluss haben 180 Personen das Manifest unterzeichnet. Die Arbeitsgruppe appelliert an den Kirchenrat, eine «weiterführende Diskussion über die Ziele und Aufgaben der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich» zu lancieren, wie es in dem Papier heisst. «Alle reden über Strukturen und das Sparen. Niemand spricht über die Reform der Inhalte», sagt Hans-Peter Burkhard, Präsident der Kirchenpflege Witikon und Sprecher der Arbeitsgruppe «Kirche für alle», auf Anfrage von ref.ch. Aus Sicht der Arbeitsgruppe besteht hier ein grosses Defizit, das der Kirchenrat jetzt angehen soll, erklärt Burkhard weiter. «Strukturreformen sollten einer Strategie folgen, nicht umgekehrt. Wir müssen zuerst wissen, was die Kirche künftig tun soll, und erst nachher festlegen, wie wir uns am besten organisieren.» Die Arbeitsgruppe «Kirche für alle» besteht aus Behördenmitgliedern, Pfarrpersonen, Mitarbeitenden der Diakonie und engagierten Mitgliedern.

 

100 Unterschriften schnell erreicht

Burkhard ist zufrieden mit der Aktion: «Die vielen Unterzeichnenden zeigen, dass wir ein Anliegen artikuliert haben, das viele Mitglieder beschäftigt. Das zeigt sich vor allem in den Kommentaren.» Ursprünglich hätten die Initianten sich das Ziel gesetzt, 100 Unterschriften zu sammeln. Innerhalb eines Tages sei diese Marke bereits erreicht gewesen. Die Übergabe des Manifests an den Kirchenrat erfolge, sobald 200 bis 300 Unterschriften zusammen sind, so Burkhard.

 

Kirchenrat erwartet die Übergabe «mit Spannung»

Und wie reagiert der Kirchenrat? Eine offizielle Stellungnahme des Kirchenrats zum Manifest sei zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, so Matthias Bachmann vom Projektbüro «Kirchgemeindeplus», da das Manifest noch nicht überreicht sei. Allerdings warte der Kirchenrat «mit Spannung» auf die Übergabe der Petition seitens der Initianten und sei erfreut über das Interesse am Prozess. Bachmann, der den Reformprozess seit Anfang 2016 begleitet,  gibt auf Anfrage von ref.ch in einer persönlichen Einschätzung  zu bedenken, dass der Reformprozess seit den Anfängen von Diskussionen begleitet sei. Er nennt die lange Dialogphase, die 2013 und 2014 mit Kirchgemeinden geführt worden sei, sowie die Pfarrerkonferenzen 2014 als Beispiele: «Hier wurde klar über Inhalte geredet.»

 

Milieustudien als Hilfestellung

Auch das von Kirchenrat Daniel Reuter an der letzten Synode vom 10. Januar 2017 vorgestellte Zielbild «nahe», «vielfältig» und «profiliert» sei eine inhaltliche Orientierung, sagt Bachmann. Wie diese Zielbilder in die Praxis umgesetzt würden, sei Sache der Kirchgemeinden: «Es ist Aufgabe der einzelnen Kirchgemeinden, herauszufinden, wer sind die Menschen, die bei uns leben? Was sind ihre Bedürfnisse? Wie können wir sie erreichen?» Dazu biete die Landeskirche Hilfestellung. So gebe es aufschlussreiche Milieustudien, die zeigen, was die heutigen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen seien.

 

Zur Petition der Arbeitsgruppe «Kirche für alle»